Kommentar André Bochow Ungewollte Hilfe für Flüchtlinge

Wir guten Europäer

  • NBR Berlin. Copyright: Thomas Koehler/ photothek.net Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Berlin und Thüringen wollen Flüchtlinge aufnehmen, die in Griechenland gestrandet, teilweise traumatisiert und in jedem Fall hilfsbedürftig sind. Es geht um ein paar hundert Menschen. Zusätzlich zu den knapp 1000, die der Bund ins Land lässt. Nun verweigert Innenminister Seehofer die zusätzliche Aufnahme durch Bundesländer. Der Berliner Senat und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche sind empört. Und nicht nur sie. Seehofer verweist auf anstehende gesamteuropäische Migrations-Lösungen. Man sei da auf einem guten Weg, das solle nicht gefährdet werden.

Ein ernst zu nehmendes Argument. Nur, die Zustände in den griechischen Lagern sind Europas unwürdig. Eine Reihe von EU-Staaten wird auch in Zukunft keine Flüchtlinge aufnehmen, egal, was deutsche Landesregierungen machen. Und ja, ein europäisches Land allein kann die Migration nicht bewältigen. Da hat Seehofer Recht. Das gilt aber auch für Griechenland. Was Berlin und andere anbieten, ist nicht die Lösung aller Probleme, sondern ein Angebot für ein bisschen Hilfe. Wenn dadurch gesamteuropäische Konzepte gefährdet würden, dann dürften die nicht viel wert sein.
© Südwest Presse 01.08.2020 07:45
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