Drei Brüder nach rassistischem Angriff verurteilt

Männer ziehen mit Hitler-Gruß durch Wiesloch und greifen Gäste einer Eisdiele an. Jetzt folgt die Strafe.
Fast zwei Jahre nach einem rassistischen Angriff auf Gäste eines Eiscafés in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) sind drei Männer zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Amtsgericht Wiesloch sprach die 29 bis 37 Jahre alten Brüder am Freitag in Heidelberg schuldig – wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung sowie Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer während eines Junggesellenabschieds in der Wieslocher Innenstadt rassistische Parolen skandierten. Sie zeigten den Hitler-Gruß und grölten „Heil Hitler“. Als ein Anwohner „Verpisst euch!“ schrie, gingen sie laut Richter Michael Rensch grundlos auf mehrere türkisch- und portugiesischstämmige Familien mit Kindern los, die im Außenbereich der Eisdiele saßen. Dabei warfen sie mit Stühlen und Tischen.

Die Familien hatten laut Urteil nichts mit der Auseinandersetzung zu tun, wurden aber zur Zielscheibe der Gruppe. Es stehe außer Frage, dass zwei der Angeklagten eine gefestigte rechtsradikale Gesinnung haben. Der Angriff sei mit enormer Wucht erfolgt, aber nicht geplant gewesen. „So etwas habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt. Das ist schäbig“, sagte Rensch.

Die Männer hatten die Taten zum Prozessauftakt weitestgehend eingeräumt. Der älteste Angeklagte wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Seine 32 und 29 Jahre alten Brüder erhielten Strafen von eineinhalb Jahren beziehungsweise zehn Monaten, ebenfalls auf Bewährung. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Zweiter Prozess

Der Prozess des Amtsgerichts Wiesloch wurde ins Landgericht Heidelberg verlegt, damit die coronabedingten Hygienemaßnahmen besser umgesetzt werden können. Aus diesem Grund wurde zunächst auch nur gegen drei der insgesamt sechs Beschuldigten aus dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Kreis Karlsruhe verhandelt.

Der zweite Prozess soll laut einer Sprecherin noch in diesem Jahr beginnen. Dann wird unter anderem auch gegen einen ehemaligen Mechaniker der Polizei verhandelt. Der Tarifangestellte war laut dem Stuttgarter Innenministerium nach der Tat mit sofortiger Wirkung freigestellt und von sämtlichen Aufgaben entbunden worden. dpa
© Südwest Presse 01.08.2020 07:45
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