Land am Rand

Ein Hoch auf den Dungkäfer!

In der Welt des Zeichentricks und der Sprichwörter ist immer klar, wer der „König der Tiere“ ist: der Löwe. Riesenmähne, muskulös, großes Gebiss, man kennt das. Wobei man direkt kritisch nachfragen müsste: Was ist mit den Löwinnen? Muss der Chef immer ein Kerl sein? Und wieso König und nicht Präsident oder Kanzlerin? Sollte man sich nicht auch allegorisch auf demokratische Werte besinnen?

Gut möglich, dass wir bei der ganzen Sache sowieso auf dem Holzweg sind. Wenn man mal nüchtern in die Savanne guckt, ist Panthera leo nicht mehr als ein glorifiziertes Faultier: 18 Stunden am Tag wird gepennt, ansonsten macht man nur das Nötigste (Jagen, Fressen). Arbeitsmoral: höchst zweifelhaft.

Aufgeklärte Tierfreunde haben längst die Biene als Galionsfigur ausgesucht – etwa für Öko-Begehren. Fleißig, wuselig, unermüdlich im Dienst für die Allgemeinheit: Kein Vergleich mit Simba & Co. Aber: Eine Königin haben Bienen auch.

Zeit also, zu gucken, wer an der Basis wirklich die Drecksarbeit macht: Der Dungkäfer hat noch immer keine Lobby. Dabei ist er für die Bodenqualität unersetzlich. Sie dachten, Hinterlassenschaften von Kühen und Schweinen verschwinden „von selbst“ in der Erde? Weit gefehlt: Irgendwer muss den Mist wegschaffen. Dungkäfer halten das Nährstoff-Recycling in Schwung – in der Savanne wie im Schwarzwald. Im Nationalpark gab es jetzt eine Führung auf den Spuren des Krabblers: „Das geheime Leben der Dungkäfer“. Großer Vorteil der Safari: Man muss nicht weit fahren – und die Tiere schlafen nicht ständig. Roland Müller
© Südwest Presse 01.08.2020 07:45
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