Keine Stehplätze, keine Gäste-Fans

Die Mitgliederversammlung der DFL hat erhebliche Einschränkungen bei einer möglichen Rückkehr der Zuschauer in die Stadien beschlossen. Doch ob diese überhaupt zur Anwendung kommen, ist fraglich.
  • Viele freie Plätze: Teile der Tribünen bleiben in den Fußball-Stadien bis auf weiteres leer. Foto: KAI PFAFFENBACH
Die Sehnsucht im deutschen Fußball nach vollen Stadien, nach lauten Gesängen und bunten Choreografien auf den Tribünen ist groß – daraus machte auch Christian Seifert keinen Hehl. „Wir alle sehnen uns nach Normalität“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) nach der virtuellen Mitgliederversammlung, „aber Sehnsucht ersetzt keine Pläne.“ Deshalb hat die DFL nun strikte Leitplanken für eine mögliche Rückkehr von Zuschauern trotz der Corona-Pandemie gesetzt.

Keine Stehplätze und kein Alkohol bis Ende Oktober, Verzicht auf Gästefans bis Jahresende sowie Sammlung sämtlicher Kontaktdaten von Ticketkäufern sieht das Konzept vor, das Vertreter der 36 Profiklubs aus Bundesliga und 2. Liga am Dienstag verabschiedeten. Und trotzdem müssen sie bangen, dass die derzeit steigenden Corona-Infektionszahlen nicht doch eine Vollsperrung der Tribünen erfordern.

„Priorität haben in Deutschland im Moment nicht volle Stadien, sondern die Gesundheit der Menschen“, betonte Seifert deshalb, denn „im Moment spielt Corona immer noch mit – und eine sehr bedeutende Rolle.“ So hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Spiele vor 25 000 Zuschauern schon beim Saisonstart als momentan „sehr schwer vorstellbar“ bezeichnet.

Die Politik hat das Wort

Ob tatsächlich bald wieder vor Publikum gespielt werden kann, womöglich schon im DFB-Pokal ab dem 11. September oder zum Bundesliga-Start eine Woche später, entscheidet am Ende die Politik, und man werde jede Entscheidung akzeptieren, betonte Seifert. Die Gesundheitsminister der Länder wollen das Thema auf einer Konferenz am kommenden Montag besprechen.

Der Weg zur Normalität ist freilich noch lang. „Es wird nicht den einen Lichtschalter-Effekt geben, dass die Politik die Zustimmung für volle Stadien gibt“, sagte Seifert: „Der Profifußball kann nur in Etappen zum Normalbetrieb zurückkommen. Wir werden in kleinen Schritten die Normalität zurückerobern müssen.“

Vor allem Fan-Gruppierungen hatten Kritik an dem Konzept geäußert, da sie langfristige Beschneidungen ihrer Rechte fürchten. Die DFL betonte hingegen auch am Dienstag, dass die nun mit jeweils einfacher Mehrheit beschlossenen Entscheidungen definitiv nur temporär und während der Pandemie gültig sein würden. „Wir haben in Corona schon einen Gegner, der groß genug ist“, sagte Seifert, „wir müssen uns nicht noch gegenseitig das Leben schwer zu machen.“

Das Fanbündnis „Unsere Kurve“ nahm das Konzept der DFL mit gemischten Gefühlen auf. „Wir können nachvollziehen, dass die Beschlüsse unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes getroffen wurden“, sagte Vorstandsmitglied Markus Sotirianos.

Er zeigte sich aber „verwundert, dass einerseits viele Schritte unternommen werden, um Fans wieder zuzulassen, andererseits aber scheinbar Skepsis hinsichtlich derer Verhalten herrscht, was der vorläufige Ausschluss von Stehplatz- und Gästefans zeigt.“ Seifert entgegnete der Fankritik: Die Maßnahmen seien „keine Entscheidung gegen Gästefans, sondern eine Entscheidung gegen Corona.“

Damit die Tribünen bald wieder zumindest teilweise gefüllt werden können, sind die am Dienstag beschlossenen Eckpunkte nur ein erster Schritt. Bis zum Saisonstart müssen die Klubs in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden individuelle Konzepte ausarbeiten.

Über Zahlen und mögliche Kapazitäten ist laut Seifert nicht gesprochen worden. „Wir erwarten nichts und fordern nichts, sondern bereiten uns darauf vor“, stellte der 51-Jährige klar. sid
© Südwest Presse 05.08.2020 07:45
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