Kommentar Manuela Harant zur Zulassung von Zuschauern in Stadien

Doppelt bittere Pille

  • Manuela Harant. Foto: Volkmar Könneke
Sein Team lautstark anfeuern, Fan-Gesänge anstimmen, auf den Schiri schimpfen – und am Ende gemeinsam jubeln. Was im Amateurfußball bereits mit ein paar hundert Menschen möglich ist, rückt für den Profi-Spielbetrieb wieder in weite Ferne: Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen der vergangenen Wochen hält die Politik am Massenveranstaltungsverbot bis Ende Oktober fest.

Selbst mit halbvollen Rängen ist beim Bundesliga-Start am 18. September jetzt nicht mehr zu rechnen. Und so sehr es jeden leidenschaftlichen Stadiongänger schmerzt: Der Ball wird dennoch rollen und die Vereine über Sponsoring- und TV-Gelder weiterhin ihr Auskommen haben.

Andere Sportarten wie Basketball, Handball oder Eishockey trifft die Abfuhr für den Fußball dagegen bis ins Mark: Wenn die Politik schon Partien an der frischen Luft mit ein paar tausend Zuschauern als potenzielles „Superspreader“-Event betrachtet, was wird sie dann zu den geplanten Saisonstarts von BBL, HBL und DEL sagen? Dort ist die Rede von Spielen mit bis zu 50 Prozent Auslastung in geschlossenen Räumen, wo die Ansteckungsgefahr bekanntlich um ein Vielfaches höher ist.

Doppelt bitter: Die Disziplinen hinter König Fußball erwirtschaften das Gros ihres Etats über Zuschauereinnahmen. Ein paar hundert werden da auf Dauer nicht reichen. Deshalb gilt es für diese Ligen, ihr Hygienekonzept so zu gestalten, dass es auch schreiende, jubelnde und schimpfende Zuschauer absichert. So unattraktiv es klingt: Vielleicht wäre auch hier die Maske eine Lösung.
© Südwest Presse 11.08.2020 07:45
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