Lesermeinung

Zum Artikel „Kirche sucht Schraubendreher“ vom 11. August:

Es ist wirklich immer wieder unfassbar! Die deutschen Kirchen gehören zu den reichsten Unternehmen in Deutschland. Die katholische und evangelische Kirche verfügen jeweils über ein geschätztes Vermögen von 200 Milliarden Euro. Jährlich spült es den beiden Kirchen rund zehn Milliarden Euro an Kirchensteuer in die Kassen – vollautomatisch vom Staat den Mitgliedern vom Verdienst eingetrieben. Und dann sucht man „ehrenamtliche Arbeiter“, die Renovierungsarbeiten in der Kirche übernehmen.

Bei diesem Vermögen eine unsägliche Dreistigkeit. Man bereichert sich noch mehr auf Kosten der „Schäfchen“ und nutzt die Menschen aus. Ich nenne so etwas schlichtweg Schwarzarbeit! Hier müsste eigentlich der Zoll aktiv werden! Denn diese Arbeiten können Unternehmen leisten, die damit Mitarbeiter in Lohn und Brot bringen und für uns alle Steuern einnehmen. Und bei dem wahnsinnig hohen Vermögen kann die Kirche das auch locker bezahlen! (...) Wir sind nicht mehr im Mittelalter, als die Kirche den Leuten eintrichterte: „Der Thaler im Beutel klingt, die Seele in den Himmel springt“

© Gmünder Tagespost 14.08.2020 21:23
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Kommentare

Karin Hofmann

Hallo Herr Fuchs,

ja, es ist eine Schande, aber: Die ehrenamtlichen Helfer werden immer mehr. Um ihre "Schuld" zu sühnen? Weil sie in den Himmel kommen wollen? Weil sie im Ort als "angesehen" gelten wollen?Würde man aus jeder Kirche Deutschlands von den 50, 100 bestehenden goldenen Putten nur 1 Putte (vergoldet, uralt), oder 2 oder 3 verkaufen hätte man genug Geld für Renovierungen.

Die katholische Kirche: Papst, Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Weihbischöfe...Pfarrer, Priester, Mesner, Haushälterinnen, es ist ein unfaßbarer kirchlicher Angestelltenapparat, der Millionen kostet. Für alle gilt: Kost, Logis, Fahrzeug, Personal, Helfer, Kleidung - alles frei plus ein gutes Gehalt, bis ans Lebensende, sogar für eine pompöse Beerdigung ist gesorgt. Würde man die 221 Kardinäle in Rom halbieren, den ganzen Vatikan verkleinern und einen Teil der unfassbaren Goldschätze "in Gottes Namen" hergeben und verkaufen könnte man alle Kirchen renovieren und vielen Armen Gutes tun. 

Hierzu Gedanken von Dieter Potzel, Theologe:

https://stop-kirchensubventionen.de/soziale_luege/

Schon bei der Taufe beginnt sich das Rad zu drehen: Bei Verdienst ist Kirchensteuer fällig. 

Die Wahrheit: Katholische Kindergärten werden zum größten Teil vom Staat finanziert, von UNSEREN Steuergeldern und nicht von der Kirche! Katholische Krankenhäuser ebenso. Beide erheben bei Bewerbern für eine Stelle trotzdem den Anspruch: Geschiedene: Nein. Zum 2. Mal verheiratet: Nein. Geschiedene, die nochmals heiraten werden entlassen. 

In vielen Ländern läuft es anders.

In den USA ist die Erhebung einer Kirchensteuer gesetzlich verboten. Die Kirche finanziert sich zur Hälfte aus Spenden. Über breit angelegte Fundraisingkampagnen spricht sie Sponsoren an. Weitere Mittel erhält die Kirche in den USA aus eigenen Erträgen ihres großen Vermögens.

Die katholische Kirche: Eine mittelalterliche Männerhierarchie. Die weiblichen "Hexen" wurden ja aus ihrer Sicht, Gott sei dank, schon lange verbrannt, aber es kommen immer wieder neue nach. Wie mit den Frauen umgehen? 

Die vielen Kirchenaustritte sind ein Zeichen, daß viele Menschen mit diesem Prunk, Mißbrauchsfällen, Entscheidungen zu Abtreibung und 2. Ehe (die von Gott nicht gesegnet werden darf), mit dieser heiligen Männerdomäne nicht mehr einverstanden sind. Das ist gut so. Denn: Mit der gesparten Kirchensteuer kann man selbst, jeden Tag, privat, Gutes tun. Dort, wo es wirklich gebraucht wird. Gott wird damit einverstanden sein. Denn - so eine Kirche hat er nie gewollt.

Telegrafenamt

Immer mit der Ruhe. Schaum vor dem Mund abwischen und eine Runde nachdenken. Woraus besteht das Vermögen? Der größte Teil davon sind Immobilien – keine Luxusvillen mit Pool und Butler, sondern Kirchengebäude. Gemeindehäuser. Kindergärten. Friedhöfe. Schulen. Pflegeheime. Gebäude, in denen kirchliche Arbeit stattfindet. Bei der EKD sind das rund 74.000 (!) Gebäude in ganz Deutschland, bei der katholischen Kirche nochmal rund 60.000. In der Stadt, auf dem Dorf, in Ost und West. Dicht bei den Menschen.

Gebäude für Kindergärten, Kinder- und Jugendarbeit, Frauen- und Männerkreise, Betreuung sozial Schwacher, Erwachsenenbildung, Altersheime, Kultur, Freizeitangebote, Kranken- und Behindertenhilfe, Selbsthilfegruppen, Beratungsangebote und und und. Gebäude, die man nicht einfach zu schnellem Geld machen kann. (Und ja, auch Gebäude in Bestlage – aber nicht, weil man bei Kirchens unbedingt in 1-A-Lage präsent sein wollte, sondern weil sich Orte historisch um die Kirchen herum entwickelt haben.)

Wenn Sie der Kirche vorwerfen, dass sie die Gebäude besitzt, in denen sie arbeitet, dann werfen Sie sicher auch dem Paketboten vor, dass er einen Mercedes fährt, oder?

Und was wäre die Alternative? Soll sich die Kirche für ihre zahlreichen Angebote immer einmieten? Die Gebäude alle verkaufen? Krabbelgruppe ab sofort im Hinterzimmer vom Weißen Ochsen, im Ulmer Münster eine Kaufhof-Filiale, den Friedhof einebnen und einen McDonalds hinbetonieren? Kirche ab sofort nur noch in größeren Städten, und das Sozialleben auf den Dörfern darf sehen, wo es bleibt?

Der Immobilienprozess mit der Verwertung von Gebäuden findet in den Kirchen schon seit Jahren statt. Das Ergebnis ist u. a. der Verkauf und Abriss des Gemeindezentrums Martinskirche im Wohngebiet Pelzwasen in Aalen, der viele gewachsene lokale Strukturen zerstört hat und besonders ältere Menschen der Möglichkeit beraubt hat, sich zwanglos (besonders: ohne Konsumzwang) in Gruppen, Kreisen oder dem Sonntagsgottesdienst zu treffen. Ist das eher nach Ihrem Geschmack, Herr Fuchs?

Karin Hofmann

Telegrafenamt schrieb am 15.08.2020 um 00:22

Bei der EKD sind das rund 74.000 (!) Gebäude in ganz Deutschland, bei der katholischen Kirche nochmal rund 60.000. In der Stadt, auf dem Dorf, in Ost und West. Dicht bei den Menschen.

Gebäude für Kindergärten, Kinder- und Jugendarbeit, Frauen- und Männerkreise, Betreuung sozial Schwacher, Erwachsenenbildung, Altersheime, Kultur, Freizeitangebote, Kranken- und Behindertenhilfe, Selbsthilfegruppen, Beratungsangebote und und und. Gebäude, die man nicht einfach zu schnellem Geld machen kann. (Und ja, auch Gebäude in Bestlage – aber nicht, weil man bei Kirchens unbedingt in 1-A-Lage präsent sein wollte, sondern weil sich Orte historisch um die Kirchen herum entwickelt haben.)

Wenn Sie der Kirche vorwerfen, dass sie die Gebäude besitzt, in denen sie arbeitet, dann werfen Sie sicher auch dem Paketboten vor, dass er einen Mercedes fährt, oder?

Hallo Telegrafenamt,

wenn ein Milliardär Immobilien besitzt und dadurch Millarden Mieteinnahmen hat (das wäre dann die Kirchensteuer), sich dann von diesen Mietern, die ja schon Miete bezahlen auch noch ehrenamtlich helfen lässt um seine Immobilien in Schuss zu halten..wie würde man dies nennen? Ja - Ausbeutung. Falls sich ein Milliardär alle diese Immobilien nicht mehr leisten kann, ja, dann sollte er einen Teil davon verkaufen. Oder: Jede Firma (so sehe ich die Kirche), die in Geldnot ist, muss die Hälfte der Belegschaft entlassen oder in Kurzarbeit schicken. 100 Kardinäle in Rom wurden auch reichen, alles "Personal" müsste abgespeckt werden. So machen es auch die "Firmen" der Königshäuser. Stattdessen wird bei jedem Gottesdienst, trotz schon eingezogener Kirchensteuer auch noch der Klingelbeutel herumgereicht.

Zu Ihrer langen Auflistung der guten Taten, der Förderung, der Bezahlung, Instandhaltung von Altersheimen, von Selbsthilfegruppen etc. folgendes:

Selbsthilfegruppen sind fast alle privat entstanden und organisiert. Die meisten Kindergärten haben einen kommunalen Träger. Sie werden von der Stadt, dem Landkreis oder der Gemeinde aus Steuergeldern bezahlt...und gebaut.

Altersheime entstehen durch private Träger, werden nicht von der Kirche finanziert:

https://www.existenzgruender.de/SharedDocs/BMWi-Expertenforum/Foerderung-Finanzierung/Foerderung/ERP-Gruenderkredit/Pflegeheim-eroeffnen-Foerderung.html

Die Caritas wird nur zu einem kleinsten Teil von kirchlichen Organisationen bezuschusst. So könnte ich weitermachen.

Kindergärten sind schon lange nicht mehr in den Gebäuden der Kirche. Und wenn: Dann zahlen sie teure Miete, die der Staat, die Gemeinde bezahlt und durch die KiTa-Gebühren der Eltern finanziert wird und nicht durch die Kirche. Die neuesten Lösungen von Kindergärten sehen so aus

https://www.algeco.de/branchenloesungen/smart-kita

Auch da finanziert das Objekt der Landkreis, die Gemeinde oder die Stadt.

Anscheinend ist IHR Denken bei vielen Menschen in unserem Land, besonders bei den Älteren, weit verbreitet, deshalb sollte jeder hinterfragen und dann die wirkliche Sachlage sehen. Denn: Gespendet hat der Papst bei seinem Besuch in Afrika an Sambia und die hungernden Kinder aus seinem übergroßen Säckel, voll mit Gold:

100.000 €! (in Worten: Hunderttausend)

https://www.erzdioezese-wien.at/site/nachrichtenmagazin/schwerpunkt/papstfranziskus/article/85631.html

Würde die kath. Kirche nicht so auf ihrem Goldsäckel sitzen, in Gold und Prunk leben, hätte auch die Martinskirche im Pelzwasen gerettet werden können!

 

Karin Hofmann

Hallo Herr Fuchs,

einen Nachtrag habe ich noch, aus dem "Spiegel", zum Vermögen der Kirchen, falls es Leser nicht wissen:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/katholische-kirche-das-versteckte-vermoegen-der-bistuemer-a-1269846.html

Vielleicht könnten "Bistümer" mit Millionen Überschüssen etwas Geld für "andere Bistümer" zur Verfügung stellen, im "Sinne Gottes, der Brot verteilt"? Dann hätte die Martinskirche im Pelzwasen gerettet werden können.

Aber Sie kennen es ja, Herr Fuchs. Vielen Dank für Ihre Lesermeinung!

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