Formel 1

Peinlicher Irrtum für Lewis Hamilton

Der Weltmeister verpasst wegen einer Regelwidrigkeit den Siegrekord von Michael Schumacher. Dafür gewinnt Mercedes-Teamkollege Bottas.
  • Kann sich zurzeit nur selbst schlagen: Lewis Hamilton wurde in Sotschi wegen eines Regel-Irrtums Dritter. Foto: Bryn Lennon/Pool Getty/dpa
Ein peinlicher Regel-Irrtum schon vor dem Start hat Lewis Hamilton in Sotschi die Einstellung von Michael Schumachers Siegrekord gekostet. Wegen Zeitstrafen für zwei verbotene Probestarts kam der Formel-1-Spitzenreiter am Sonntag beim Großen Preis von Russland nur als Dritter ins Ziel. „Es war nicht der tollste Tag für mich“, sagte der 35-Jährige kurz angebunden. Platz eins staubte sein Mercedes-Teamgefährte Valtteri Bottas ab, Zweiter wurde Max Verstappen im Red Bull. Hamilton muss damit mindestens noch zwei Wochen bis zum Rennen auf dem Nürburgring auf seinen 91. Sieg warten, mit dem er Schumachers Bestmarke egalisieren würde.

In der WM-Gesamtwertung liegt der Silberpfeil-Star aber trotz des Patzers am Schwarzen Meer weiter komfortabel vorn. „Es ist jetzt nicht mehr wichtig, ich nehme die Punkte, die ich bekommen habe“, sagte Hamilton. 44 Zähler beträgt sein Vorsprung auf den Finnen Bottas, der beim siebten Gastspiel der Formel 1 auf dem Olympia-Gelände von 2014 den siebten Mercedes-Erfolg einfuhr und sich auch die schnellste Rennrunde schnappte. „Ich muss jetzt versuchen, das Momentum zu bewahren. Ich werde weiter pushen und nicht aufgeben“, sagte der 31-Jährige.

Vettel überrundet

Für Sebastian Vettel war sein 250. Grand-Prix-Start einmal mehr ein Rennen zum Vergessen. Nach seinem heftigen Unfall am Vortag in der Qualifikation war der 33-Jährige nur von Rang 14 gestartet und kam in seinem unterlegenen Ferrari als überrundeter 13. an. Auch der Finne Kimi Räikkönen, der mit seinem 322. Rennen den Rekord von Rubens Barrichello einstellte, verpasste als 14. die Punkteränge.

Im Mittelpunkt aber stand ohnehin Hamilton, der schon vor Rennbeginn für Aufregung sorgte. Mit zwei Probestarts an einer nicht dafür vorgesehenen Stelle rief er die Rennkommissare auf den Plan. Dennoch durfte der WM-Führende noch zum 96. Mal in seiner Karriere von der Pole Position losfahren. Wie von ihm befürchtet, nutzte Teamkollege Bottas hinter ihm zunächst den Vorteil des Windschattens auf der langen Fahrt zur ersten Kurve. Der Finne zog an Verstappen vorbei und setzte sich auch neben Hamilton. Doch der Titelverteider konterte.

Dahinter krachte es. Der spanische McLaren-Pilot Carlos Sainz jr. kürzte eine Schikane ab, rumpelte dabei gegen die Barriere und schoss quer über die Strecke. Vettel konnte gerade noch ausweichen. Sein Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc kollidierte mit Lance Stroll, der Kanadier im Racing Point rauschte in die Begrenzung. Prompt rückte das Safety-Car aus. Nach sieben Runden wurde das Rennen wieder freigegeben. Hamilton entschied den Neustart clever für sich. Doch dann der Schock: Wegen seiner verbotenen Probestarts verdonnerten die Rennrichter den Mercedes-Star zu zwei Fünf-Sekunden-Strafen. „Was ist passiert? Wo steht das im Regelbuch?“, fragte Hamilton irritiert, als ihm am Boxenfunk das Urteil übermittelt wurde.

Nach 17 Runden bog der sechsmalige Champion in die Boxengasse ab und verbüßte beim Reifenwechsel die Zeitstrafe. „Das ist lächerlich, Mann“, klagte Hamilton über die Zwangspause. Als Elfter kam er zurück auf die Strecke, der Sieg war damit außer Reichweite.

Bottas kontrollierte bis zum Schluss ganz kühl das Geschehen an der Spitze, Verstappen konnte ihm nicht ganz folgen. Daran änderte sich auch nach den Boxenstopps der beiden nichts. „Ich habe getan, was ich konnte“, sagte Verstappen. Spannung gab es bestenfalls bei einigen Positionskämpfen im Mittelfeld. Dabei lieferte vor allem Vettels Stallrivale Leclerc eine starke Vorstellung und kämpfte sich mit guter Reifenstrategie von Startplatz elf auf Rang sechs. dpa
© Südwest Presse 28.09.2020 07:45
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