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Identität und Kultur

Architektur Im neuen Kulturbahnhof Aalen begegnen sich Aalener Industriegeschichte und die Architektur des 21. Jahrhunderts.
  • Harmonisch verbindet die Architektur des KubAA Neues und Altes. Foto: opo

Es ist a+r Architekten gelungen, die historischen Gebäudefragmente auf dem „Stadtoval“ mit viel Gespür in die Architektur der Gegenwart zu integrieren und – so der Wunsch der Stadt Aalen – einen Ort mit überregionaler Strahlkraft zu schaffen.

Einen „Leuchtturm für den Bereich Kultur und Kreativität“ wünschte sich die Stadt Aalen auf dem heute als „Stadtoval“ bezeichneten Gelände, das in der Vergangenheit als Gleisareal der Bahn und später von einem Baustahlbetrieb genutzt wurde. Im Rahmen dieser bedeutenden Stadterweiterung nimmt der „Kulturbahnhof“ eine zentrale Stelle ein. Nachdem a+r Architekten im Jahr 2015 in dem nicht offenen Wettbewerb auf Platz 1 kamen, erfolgte die Realisierung im Zeitraum von 2017 bis 2020.

Für die in Stuttgart und Tübingen ansässigen Architekten bedeutete die Bauaufgabe „eine Herausforderung, aus den vorhandenen Gebäudefragmenten und den neuen Elementen ein harmonisches Ganzes entstehen zu lassen“. Vorgefunden haben die Architekten nach einem Brand im Jahr 2014 einige historische Gebäudegruppen, darunter das ehemalige Bahnverwaltungsgebäude und Überreste der großen Halle des früheren Ausbesserungswerks. Die in weiten Teilen zerstörte Fassade wurde stilisiert in eingefärbtem Sichtbeton ersetzt.

Dort, wo es möglich war, bemühten sich die Architekten darum, den historischen Charakter wieder zu beleben. So wurde an den entsprechenden Stellen die Sandsteinfassade von Steinmetzen ergänzt und repariert. Nach historischem Vorbild wurden auch die Dächer der kurzen Quergiebel wiederaufgebaut. Ganz anders behandelten a+r Architekten den Längsgiebel. Dieser wurde durch einen langen, mit gefaltetem Lochblech verkleideten Quader ersetzt, welcher den räumlichen Bezug zu den städtebaulichen Kanten der südlich angrenzenden Nachbarschaft herstellt.

Das „Haus im Haus“-Prinzip

Die historische Fassade bildet die Hülle für ein großzügiges Raumangebot. In diesen vollständig entkernten Raum wurden neue Boxen eingestellt, die den Raum für unterschiedliche Nutzungen zonieren und auch das neue Tragwerk tragen. Die großen Säle befinden sich im Altbau. Im aufgesattelten Neubau – dem Quader – liegen die Räume der Musikschule und der Theaterwerkstätten. Wichtig war es den Architekten, mit historischen Komponenten wie Materialien, Befensterung und sichtbarer Dachkonstruktion ein authentisches Ambiente für die unterschiedlichen Kulturstätten zu gestalten. „Das gesamte Material- und Gestaltungskonzept orientiert sich an der Entwurfsidee, die Industriearchitekturen des 19. und 21. Jahrhunderts auf vielfältige Weise miteinander in Beziehung zu setzten“, so Hellmut Schiefer.

Ressourcenoptimierung und Synergieeffekte

Darüber hinaus kommen pragmatische Aspekte zum Tragen: Ein gemeinsames Gebäude für die vielfältigen, bisher auf mehrere Standorte verteilten Kulturstätten, soll nach Einschätzung der Stadt Aalen zur Ressourcenoptimierung beitragen, Synergien bündeln und langfristig für Kosteneinsparungen sorgen.

Heike Bering

© Gmünder Tagespost 29.09.2020 16:18
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