Lesermeinung

Zum Thema Tunneldemo:

Jetzt haben es diese Möchtegern-Weltverbesserer und anarchistischen Radfahrchaoten doch tatsächlich gewagt, eine Demo durch das Prunkstück Gmünder (...) Verkehrspolitik, den Einhorntunnel, durchzuführen. Die Aufregung über eine solch anmaßende und grob missbräuchliche Wahrnehmung des doch so hoch geschätzten Demonstrationsrechts ist groß und wird wahrscheinlich nur durch die moralische Entrüstung gegenüber den Demos der Corona-Leugner getoppt. Selbstverständlich darf jeder demonstrieren – für oder gegen was auch immer, aber bitte nur dann und in dem Maße, wie andere treue Untertanen unseres Staates nicht in irgendeiner Weise beeinträchtigt oder belästigt werden und so im idealen Falle auch gar nichts von solchen in jeder Hinsicht störenden Demos mitbekommen. Bei einem solchen Demokratieverständnis hätten wir heute wahrscheinlich noch einen Kaiser oder etwas noch schlimmeres als Staatsoberhaupt (s. USA).

Wenn nur ein kleiner Teil der sich jetzt echauffierenden Leute sich nicht nur über ein einmalig für etwa 1,5 Stunden auftretendes Verkehrschaos, sondern auch über den sonst tagtäglichen Verkehrswahnsinn in und um Gmünd aufregen und dann vielleicht sogar noch einen Schritt weitergehen und selbst aktiv etwas dagegen tun würde, indem zum Beispiel das Auto einfach mal stehen gelassen und stattdessen das Rad oder der ÖPNV genommen wird, dann wäre schon viel gewonnen. Nicht nur für die physische (Bewegung an der frischen Luft und weniger Abgas- und Lärmbelästigung der Anwohner), sondern auch für die psychische Gesundheit, denn die Anlässe, sich über Demos oder Staus aufzuregen, würden dann zukünftig drastisch abnehmen.

© Gmünder Tagespost 01.10.2020 21:34
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Kommentare

In my humble opinion

Ich denke, dass Sie das Problem nicht richtig analysiert haben. Die Leute echauffieren sich nicht wegen der 1 - 2 Stunden Sperrung des Tunnels ( Sperrungen wegen "dringender Instandhaltung" werden auch nur mit Kopfschütteln quittiert ), sondern wegen der etwas eigenartigen Begründung, weswegen der Tunnel gesperrt werden musste.

Man will also mit dem Fahrrad durch den Tunnel radeln, um damit auf den Verkehr aufmerksam zu machen, indem man in der Stadt mehr Verkehr und Stau erzeugt, um damit das Bewusstsein zu wecken, dass wir etwas gegen die Klimaerwärmung tun müssen ... und es bleibt offen, was wir denn tun wollen, außer, mit dem Fahrrad durch den Tunnel zu radeln. Und es bleibt absolut offen, was wir denn überhaupt tun können, jeder Einzelne von uns, angesichts der wenigen Möglichkeiten, die wir als Einzelne haben.

Wer im Zentrum von Gmünd wohnt, kann seine Einkäufe zu Fuß ( so groß ist Gmünd nun wahrlich nicht ) oder mit dem Fahrrad machen. Bei den Lebensmitteleinkäufen ist das "zu Fuß" aber schon problematisch, denn wie viele wohnen in fußläufiger Entfernung zum Lebensmittelmarkt? Wer nicht im Zentrum wohnt, hat schon Probleme, ein Fahrrad ist aus unterschiedlichen Gründen nicht die erste Wahl, ein Bus ist auch nur bedingt praktisch. Also fährt man mit dem Auto in die Stadt und sucht einen ( erlaubten ) Parkplatz, auch zu den Apzoka-Preisen, wenn nötig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand in Gmünd mit dem Auto von Geschäft zu Geschäft fährt, eher vermute ich Ziel- oder Parkplatzsuchverkehr. Ein Großteil des Verkehrs ist aber wohl dadurch begründet, dass die Menschen aus Stadtteil A durch Gmünd fahren müssen, wenn sie in den Stadtteil B wollen.

Angesichts der Vielfältigkeit der Probleme und der Schwierigkeit, sie praktisch zu lösen, ist die Einfältigkeit, mit der das Fahrrad  wie ein Heilsversprechen als Mantra zur Lösung aller Verkehrsprobleme gepredigt wird, reichlich unverständlich.

derleguan

In my humble opinion schrieb am 02.10.2020 um 00:53

Ich denke, dass Sie das Problem nicht richtig analysiert haben....

....noch immer erfolglos warten wir auf den Moment, an dem der pawlowsche Hund dem Reiz widerstehen kann, wie ein Bunt-/Grünspecht sehr laut seine immer gleichen Phrasen rauszuschmettern.

In my humble opinion

derleguan schrieb am 02.10.2020 um 09:12

....

Vielleicht könnten Sie auch mal was 'ad rem' ( zur Sache ) beitragen und nicht nur Ihrem Frust mit Angriffen 'ad personam' freien Lauf lassen?

derleguan

ich denke, wir haben nun alle gemerkt, dass Fahrräder in einem B29 Tunnel nichts verloren haben. Die Demo ist vorbei, der Tunnel wieder für Autos freigegeben. Doch wie sieht es in der Stadt aus? Da sind auch Massen an PKW und LKW, sie verstopfen nach wie vor unsere Städte, parken in jedem kleinen Gässchen, nicht nur auf den vorgezeichneten Parkplätzen, selbst vor Fahrradwegen machen parkende Autos nicht halt - eine biblische Heuschreckenplage. Wie gehen wir damit um? In Berlin hat man zu Coronazeiten begonnen, die Straße zu halbieren, eine Hälfte für Autos, die andere für Fahrräder, die Autos im Einbahnstraßenverkehr. Können wir bei uns auch einmal an so etwas denken? In Wien gibt es seit ein paar Monaten das 365€ Ticket - ein ganzes Jahr öffentliche Verkehrsmittel innerhalb der ganzen Stadt nutzen für 365€. Das wäre doch schon mal ein Anfang! Man könnte sich in der Fortsetzung vorstellen, dass zumindest Teile des ÖPNV komplett steuerfinanziert sind. Wenn der Steuerzahler die Lufthansa mit 7 Mrd. € subventioniert geht das doch sicherlich auch im ÖPNV. Wer hat weitere Ideen den individuellen Massenverkehr zu reduzieren, den Massenindividualverkehr aus den Städten herauszuhalten? Was tun wir, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten? Oder bleibt wieder alles wie es war und als nächster "kleiner Weckruf" muss eine Herbst- oder Winterwanderung durch den Tunnel führen? Ob da wohl alle in 2 Stunden durch sind?       

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