Mit Waffen Krieg im Wald gespielt

Beamte finden nach 17 Hausdurchsuchungen Waffen. Eine Wohnung muss von Spezialkräften geöffnet werden.
  • Großeinsatz: Auch in Backnang rückte am Donnerstag die Polizei an. Foto: 7aktuell.de/Adomat
Bei einem Großeinsatz der Polizei gegen eine Gruppe, die sich in Wehrmachtsuniformen und mit Waffen Kriegsszenarien nachgestellt haben soll, kamen die Verdächtigen noch am Donnerstag wieder auf freien Fuß. Obwohl die Beamten eine Vielzahl an Waffen und verfassungsfeindlichen Symbolen beschlagnahmt hatten.

Bisher sei kein Haftbefehl beantragt worden, sagt die Stuttgarter Staatsanwältin Melanie Rischke. Zunächst müssten die Ermittler sicherstellen, ob die konfiszierten Waffen echt sind oder es sich um „Anscheinswaffen“ handelt. Letztere sehen echten Schusswaffen täuschend ähnlich, sind aber lediglich Attrappen. „Sonst liegt uns keine Straftat vor“, erklärt Rischke. Diese Waffen zu überprüfen werde jedoch „Wochen“ dauern, wie die Staatsanwältin mitteilt.

Mit Schuss Tür geöffnet

Bei der Durchsuchung einer Wohnung im Kreis Tübingen soll ein Schuss gefallen sein, dies bestätigte der Ulmer Polizeisprecher am Freitag. Mit Schusswaffengebrauch hätten die Beamten die Wohnungstür geöffnet. Verletzt worden sei niemand. Es habe keine Gegenwehr der Tatverdächtigen bei den Durchsuchungen gegeben.

Aufgrund der Vielzahl an Beweismitteln dauern die Durchsuchungsmaßnahmen an, teilt die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Ulmer Polizeipräsidium mit. Dementsprechend könnten keine genaueren Angaben zum Ermittlungsverfahren gemacht werden, sagt Polizeisprecher Ulm. Anlass ist ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart, die gegen 19 Beschuldigte wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und des Versammlungsgesetz ermittelt. Rund 400 Polizisten, darunter auch Spezialkräfte, hatten am Donnerstag in in den Landkreisen Biberach, Esslingen, Sigmaringen, Tübingen, dem Ostalb- und Rems-Murr-Kreis sowie in Bayern 17 Wohnungen und ein Waldstück nach Beweismitteln durchsucht. Gegen 19 Personen zwischen 27 und 77 Jahren ermitteln die Beamten.

Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Hinweis, wonach sich bewaffnete Personen in Wehrmachtsuniformen in einem Gebäude im Landkreis Biberach getroffen haben sollen. Außerdem hätten die Tatverdächtigen in einem Wald in Wehrmachtsuniform und mit Waffen Krieg gespielt. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach von einem „guten, harten Schlag gegen extremistische Bestrebungen“. Hannah Möller
© Südwest Presse 17.10.2020 07:45
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