Nationalpark

„Zentrum ist ein kleines Naturwunder“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann übergibt ein 50 Millionen Euro teures Gebäude am Ruhestein an die Verwaltung. Publikum wird erst im Frühjahr 2021 zugelassen.
  • Das Besucherzentrum im Nationalpark Schwarzwald ist mit Schindeln verkleidet. Das Holz stammt zum Großteil aus dem Schwarzwald. Die Alaska-Zeder macht nur einen kleinen Teil aus. Foto: Uli Deck
Nach drei Jahren Bauzeit ist das 50 Millionen Euro teure Besucherzentrum des Nationalparks Schwarzwald soweit fertig, dass es stufenweise geöffnet werden kann. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) übergab das „einzigartige“ Gebäude am Freitag an die Nationalpark-Verwaltung. Die Schlüsselübergabe wurde per Livestream übertragen.

„Schon der erste Eindruck zeigt, dass das Gebäude ein architektonisches Highlight ist“, sagte Kretschmann. Das Gebäude selbst sei ein „kleines Naturwunder“. Schon bei der Grundsteinlegung im Mai 2017 hatte er seiner Begeisterung für den Nationalpark und das Besucherzentrum freien Lauf gelassen.

Er freute sich auch über die steigenden Besucherzahlen. Die Reisebeschränkungen durch Corona führten dazu, dass im ersten Halbjahr 2020 rund 100 000 Besucher mehr im Nationalpark anzutreffen waren als im Jahr 2019. „Was immer gefehlt hat, war eine zentrale Anlaufstelle für die Besucher.“ Dieser Mangel sei nun behoben.

Die Chefs der Ministerien für Umwelt, für Verkehr und für Finanzen äußerten sich fast schon euphorisch über das Gebäude, das die Form von übereinander gestürzten Baumstämmen hat. Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) konnte ihre Glückwünsche nur aus der Ferne loswerden. Sie blieb aus Corona-Gründen der Feier fern.

Alaska-Zeder hält länger

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sprach die teilweise hitzigen Diskussionen über die Kosten an. Ursprünglich lagen sie bei 23 Millionen Euro, stiegen jedoch von Jahr zu Jahr aus unterschiedlichen Gründen. Gestern wurden sie mit 50 Millionen Euro angegeben. Davon habe allein das Gebäude 35,5 Millionen Euro gekostet.

Auch den Streit um das für den Bau verwendete Holz thematisierte Untersteller. Immer wieder sei behauptet worden, das Besucherzentrum werde aus Alaska-Zeder und nicht aus heimischem Holz gebaut. „Das ist nicht so.“

Der Holzbau sei zu 84 Prozent aus heimischer Weißtanne, zu 6 Prozent aus Fichte und Buche und zu knapp 10 Prozent aus Alaska-Zeder errichtet worden. Die Zeder sei nur für die Außenschindeln an einem kleinen Teil des Gebäudes verwendet worden, und nur, weil die Alaska-Zeder besonders wetterbeständig sei. „Hätten wir stattdessen Fichte genommen, hätten wir die Schindeln nach einigen Jahren ersetzen müssen.“ Das werde mit der Alaska-Zeder nicht nötig sein.

Herzstück des Besucherzentrums ist eine Dauerausstellung, die 1000 Quadratmeter einnimmt. In ihr wird gezeigt, was eine Tanne braucht, um 500 Jahre alt zu werden und was dann aus ihr wird. Die Dauerausstellung wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit rund einer Million Euro gefördert. Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter sprach begeistert von der interaktiven Ausstellung.
© Südwest Presse 17.10.2020 07:45
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