Automärkte legen wieder zu

In der EU, den USA und in China wachsen die Absatzzahlen. Daimler erzielt eine Milliarde mehr Gewinn als erwartet. Auch VW gibt wieder leicht Gas.
  • Der Renault Zoe ist in Deutschland das meistverkaufte reine E-Auto. Es folgten das Model 3 von Tesla und der ID.3 von VW. Foto: Renault
Wären die aktuellen Corona-Entwicklungen nicht: In der Automobilwirtschaft scheint die Pandemie nach aktuellen Zahlen überwunden. Zumindest ist der Fahrzeugmarkt im September erstmals seit gut zwei Jahren gleichzeitig sowohl in Europa als auch in den USA und in China gewachsen. Auch Daimler hat nach eigenen Angaben eine schnellere Markterholung erlebt als erwartet und insbesondere im September eine starke Geschäftsentwicklung verzeichnet. Beim größten Autobauer der Welt Volkswagen legten die Verkäufe in diesem Monat um 3,3 Prozent zu, nachdem im August das Minus von 6,6 Prozent die Bilanz verhagelt hat.

„Wir erwarten, dass diese positive Dynamik auch im vierten Quartal anhält, wobei dabei jedoch die übliche Saisonalität des Jahresendgeschäfts zu beachten ist“, sagt Harald Wilhelm. Damit meint der Daimler-Finanzchef, dass selbst in normalen Jahren die Verkaufszahlen in den kalten Monaten durchaus nach unten gehen können. Den Schwung werde man aber in die verbleibenden Wochen des Jahres mitnehmen können – vorausgesetzt, es kommt zu keinen weiteren Lockdowns.

Für das dritte Quartal hatten Branchenexperten zwar mit einem Gewinn bei Daimler gerechnet. Mit knapp 3,1 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern fällt dieser nun aber nicht nur höher aus als im Vorjahr (2,7 Milliarden Euro), sondern auch gut eine Milliarde höher als von den Experten erwartet.

„Die Resultate des dritten Quartals reflektieren eine sehr starke Leistung und beweisen, dass wir bei der Absenkung der Gewinnschwelle auf dem richtigen Weg sind“, sagt Wilhelm. Gleichzeitig habe man die Chancen genutzt, die sich aus der Erholung der Märkte ergeben hätten. Dass das dritte Quartal deutlich besser lief als erwartet, führte Wilhelm auf mehrere Faktoren zurück: So habe sich der Markt schneller erholt als gedacht. Vor allem im September hätten sich die Geschäfte stark entwickelt. Dazu wirkten sich die strikte Disziplin bei den Kosten und die übrigen Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz aus.

Vorstandschef Ola Källenius hatte zuletzt schon mehrfach betont, dass es nach dem Tiefpunkt der Corona-Krise mit Nachfrageabsturz und wochenlangen Produktionsstopps inzwischen wieder aufwärts geht. Vor allem in China habe der Markt wieder deutlich angezogen.

In der EU stieg die Zahl aller neu angemeldeter Autos im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1 Prozent und lag bei 1,3 Millionen, wie der Verband der Automobilindustrie mitteilte. Zum ersten Mal in diesem Jahr wurde damit ein Wachstum im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnet.

Für VW lief es in der Heimatregion zuletzt ebenfalls wieder besser. In Westeuropa stiegen die Auslieferungen verglichen mit dem Vorjahresmonat um 10,3 Prozent. Auch in Zentral- und Osteuropa (plus 3,4), im Nahen Osten inklusive Afrika (plus 7,8) und im wichtigsten Markt China (plus 0,9) zogen die Verkäufe an. Unter den einzelnen Marken konnten besonders Audi und leichte VW-Nutzfahrzeuge spürbar zulegen. (mit dpa/afp)
© Südwest Presse 17.10.2020 07:45
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