Interview mit Dekra-Maskentester Jörg Kilisch

„Jede ist besser als gar keine“

Alle Schutzmasken in Deutschland sollten geprüft sein. Trotzdem haben viele kein CE-Siegel. Jörg Kilisch von der Dekra erklärt, woran man gute und sichere Masken erkennt.
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  • Jörg Kilisch, Geschäftsführer der Dekra Testing and Certification GmbH. Foto: Dekra
Immer wieder herrscht in der Bevölkerung Unklarheit darüber, welche Masken den Träger und die Öffentlichkeit gut schützen. Ebenso kommt es regelmäßig zu überzogenen Preisen. Jörg Kilisch von der Dekra klärt auf:

Herr Kilisch, welche der vielen verschiedenen Masken, die auf dem Markt erhältlich sind, bietet dem Träger den höchsten Schutz?

Jörg Kilisch: Für uns gibt es da eine klare Rangliste: Den größten Schutz bietet nach wie vor eine FFP2-Maske. Danach folgen der medizinische Mund-Nase-Schutz und die selbst genähten Masken. Bisher gibt es keine Untersuchungen zu den Schutzmasken mit antibakteriellen Stoffen. Allerdings muss man auch unbedingt dazusagen, dass – obwohl es eine Abstufung gibt – jede Art von Mund-Nase-Schutz besser ist als gar keiner.

Nun gibt es einen Unterschied zwischen Fremd- und Selbstschutz. Welche Maske vereint beide Eigenschaften am besten?

Eine FFP2-Maske erbringt den höchsten Fremd- und Selbstschutz. Ein herkömmlicher Mund-Nase-Schutz, wie er auch in OPs getragen wird, bietet so gesehen keinen Selbstschutz.

Stichwort Fremdschutz: Wie geeignet sind Masken mit Atemventil?

Durch das Ausatemventil wird jeglicher Fremdschutz vermieden. Außerdem wird dem Gegenüber das ausgeatmete Aerosol über das Ventil direkt in das Gesicht geblasen. Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr wurden diese Masken aus Unwissenheit auch in vielen Kliniken im Land verwendet. Nachdem über die Folgen aufgeklärt wurde, wurde das Tragen dieser Art von Masken zügig eingestellt.

Wie viele Masken gibt es derzeit auf dem deutschen Markt, und wie viele davon sind getestet?

Das Bundesgesundheitsministerium hat circa 1,5 Milliarden Schutzmasken bestellt. Wir glauben, dass sich etwa acht Milliarden Masken in Deutschland im Umlauf befinden, von denen aufgrund der vergangenen Ereignisse höchstens die Hälfte getestet sein dürfte.

Zu Beginn der Pandemie gab es in Deutschland nicht genug Masken. Sind deshalb auch ungeprüfte im Umlauf?

Diese Masken hätten in Deutschland nie zum Verkauf angeboten werden dürfen, da sie keine Konformitätserklärung besitzen. Der Zoll konnte damals viele, aber leider nicht alle Fabrikate aus dem Verkehr ziehen. In der Anfangszeit der Pandemie gab es viele Schwarze Schafe, die sich mit den Schutzmasken bereichern wollten. Seit dem 20. März haben sich die Auflagen dann zu unseren Gunsten in Form einer Testordnung verändert.

Wer hat das Recht, Masken zu testen und sie mit einem CE-Prüfsiegel zu versehen?

In Deutschland gibt es zwei Organisationen, die berechtigt sind, Masken zu testen. Zum einen ist das das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, kurz IFA, und zum anderen die Dekra. Heute testen wir circa 30 Maskenfabrikate pro Monat. In normalen Zeiten waren es etwa drei bis vier im ganzen Jahr. Den Unterschied, wer die Maske getestet hat, erkennt man an der vierstelligen Prüfziffer nach dem CE-Zeichen. Ist es die 0121, dann hat die IFA getestet. Die 0158 steht für die Dekra.

Wie lange werden die Masken getestet, bis sie auf dem deutschen Markt verkäuflich sind?

Grundsätzlich gilt es bei den Tests zu unterscheiden: Auf der einen Seite gibt es einen Schnelltest für Masken, der circa dreieinhalb Tage braucht. Eine komplette Prüfung, bei der es zum Abschluss das CE-Prüfzeichen gibt, dauert in etwa 150 Stunden, die wir in normalen Zeiten innerhalb eines Monats erreicht haben. Da wir aber auf Schichtbetrieb umgestellt haben, schaffen wir eine Prüfrunde derzeit in gut anderthalb Wochen.

Woran erkennt man eine gute und sichere Maske? Gibt es für Kunden eine Möglichkeit, vor Ort zu testen?

Einen Schnelltest für den Verbraucher gibt es eigentlich nicht. Anhand der Haptik kann man nicht erkennen, ob eine FFP2-Maske einen entsprechenden Schutz bietet. Man kann sie höchstens aufschneiden, um zu sehen ob sie mindestens fünf Lagen Vlies besitzt. Ansonsten muss jedes Produkt über eine Dokumentation verfügen. Diese besteht aus einer Urkunde, einem Bewertungsschreiben vom Prüfunternehmen sowie einer Freigabe der Marktüberwachung des Regierungspräsidiums. Diese Dokumentation sollte man sich immer vom Verkäufer zeigen lassen können.

Sind selbst genähte Masken den FFP-Masken vorzuziehen, weil sie den Mund-Nase-Bereich im Zweifel besser abschließen?

Nach unserer Meinung bietet eine FFP2-Maske den besten Schutz für die Gesellschaft. Bei acht Millionen Risikopatienten in Deutschland wäre auch nur zu empfehlen, dass diese und auch möglichst viele andere eine solche Schutzmaske tragen.

Bislang wurden Masken immer wieder völlig überteuert verkauft. Wie viel darf eine FFP2-Maske höchstens kosten?

FFP2-Masken aus deutscher Lieferkette, sprich Produktion, Material, Maschinenhersteller und Prüfinstitut, werden im Bereich der Industrie für 2 Euro netto verkauft, der Endverbraucher zahlt zwischen 3,50 und 6 Euro. Dieser Preis ist realistisch.
© Südwest Presse 21.11.2020 07:45
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