Urlaubsbegegnung mit Folgen

Im witzigen und philosophischen neuen „Tatort“ begegnet Kommissar Murot seinem Doppelgänger, der kurz darauf ermordet wird.
  • Felix Murot (Ulrich Tukur), der wegen des identischen Aussehens für den getöteten Walter Boenfeld gehalten wird, kommt dessen Frau Monika (Anne Ratte-Polle) näher. Foto: Bettina Müller/HR/dpa
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Er ist der „Tatort“-Kommissar mit den ungewöhnlichsten Fällen: Die Krimis mit Felix Murot, wunderbar gespielt von Charakterdarsteller Ulrich Tukur, sind immer etwas Besonderes. Letztes Jahr etwa geriet der liebenswerte Kauz in eine Zeitschleife und musste den immer gleichen Fall immer wieder durchleben – der Hollywoodfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray ließ schön grüßen.

Auch für den neuen Fall ließen sich die Macher aus Hessen von einem filmischen Meisterwerk inspirieren. Der Krimi „Tatort: Die Ferien des Monsieur Murot“ (22.11., ARD) ist gespickt mit Zitaten aus Jacques Tatis Film „Die Ferien des Monsieur Hulot“ von 1953 und überzeugt mit einem phantasievollen und bittersüßen Plot, bei dem nicht nur Tukur wieder mal zeigt, was er kann. Auch die Schauspielerin Anne Ratte-Polle als geheimnisvolle Mordverdächtige, in die sich der LKA-Kommissar verliebt, liefert eine tolle Vorstellung ab.

Erzählt wird die Geschichte eines mehr als seltsamen Urlaubs, den Murot in einem schicken Landhotel verbringt. Er will eigentlich nur in Ruhe Wein und Landschaft genießen, doch damit ist es vorbei, als er auf der Hotelterrasse auf einen trifft, der genauso aussieht wie er.

Auch der polternde Autohändler Walter Boenfeld, ebenfalls von Tukur gespielt, ist verblüfft, als er seinem zurückhaltenden Doppelgänger gegenübersteht. Die beiden Männer nehmen die kuriose Begegnung zum Anlass, sich zu betrinken und die Klamotten zu tauschen.

Als Boenfeld kurz darauf von einem Auto absichtlich überfahren wird, glaubt natürlich alle Welt, dass es sich um Murot handelt. Der quicklebendige Kommissar dagegen wird für Boenfeld gehalten. Er nutzt die falsche Identität für Ermittlungen im privaten Umfeld des Autohändlers und hat in dessen Gattin Monika (Anne Ratte-Polle) bald eine Verdächtige im Visier. Doch auch der beste Freund des Toten hätte einen Grund gehabt, den Autohändler zu überfahren.

Der philosophisch grundierte, durchgängig spannende „Tatort“ mit Tukur reiht sich nahtlos in die Riege der besonderen Murot-Krimis ein. Der Regisseur und Drehbuchautor Grzegorz Muskala spielt souverän mit Filmzitaten und erzählt doch eine ganz eigenständige und überaus reizvolle Geschichte, die ihre komischen und tragischen Momente hat.
© Südwest Presse 21.11.2020 07:45
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