Volle Pulle in leeren Stadien

Das Mammutprogramm in dieser Saison stellt den Weltverband vor logistische Herausforderungen. Für Markus Eisenbichler und Co. bieten sich viele Chancen.
  • Nach einer mäßigen letzten Saison möchte Markus Eisenbichler wieder an die Traum-WM 2019 anknüpfen, als er in Seefeld drei Titel holte. Foto: Eibner
Zwei Weltmeisterschaften, zehn Länder, 21 Reiseziele: Die Skisprung-Szene und der Weltverband Fis wollen auch in Zeiten der Pandemie an ihrem XXL-Programm festhalten und den vollen Winterkalender von November bis März durchziehen. Was für das deutsche Team um Markus Eisenbichler diverse sportliche Chancen auf Gold, Geld und Triumphe ermöglicht, wird für die Fis zur gigantischen Herausforderung. An diesem Wochenende beginnt in Wisla (Polen) die Saison. Der Verband muss eine logistische Meisterleistung erbringen, um das Feld gesund durch den Winter zu bringen.

Bundestrainer Stefan Horngacher ist mit den Corona-Maßnahmen des neuen Renndirektors Sandro Pertile zufrieden. „In der ersten Phase reisen wir nach Wisla, Finnland, Russland, da sind wir in der eigenen Sportler-Blase unterwegs mit vielen Tests. Ein gut konzipiertes Prozedere“, so Horngacher. Das Ziel: Möglichst wenig Außenkontakt, möglichst feste Gruppen. Dadurch sind immer die gleichen Leute im Charterflieger und im Hotel zusammen. „Da ist die Chance sehr, sehr groß, dass das funktioniert“, erklärte der Coach.

Grüne Hänge in Wisla

Statt voller Arenen erwarten die Sportler in diesem Winter Geisterwettkämpfe. Das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen wird derzeit vor leeren Rängen geplant. Grüne Hänge, wie sie wegen warmer Temperaturen an diesem Wochenende beim Auftakt in Wisla (Polen) zu sehen sein werden, dürften die Stimmung im Skisprung-Lager ebenfalls nicht verbessern.

In Oberstdorf rechnen die Veranstalter der Vierschanzentournee Ende Dezember sowie der Nordischen Ski-WM zwar noch mit bis zu 2500 Zuschauern. Längst wird aber auch über Alternativen nachgedacht, falls Bund und Länder weiter Sportevents mit Publikum untersagen. „Wir haben uns auch mit dem Thema Geister-WM beschäftigt. Keiner wünscht sich das. Wir sehen das aber als eine Eventualität, die auf uns zukommen könnte“, sagte Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwarz mit Blick auf die Titelkämpfe im Allgäu (23. Februar bis 7. März).

Klappt die Corona-Logistik wie gewünscht, haben der bestens aufgelegte deutsche Meister Eisenbichler und sein Zimmerkollege Karl Geiger einige Chancen, sportlich abzuräumen. Die im Frühjahr abgesagte Skiflug-WM in Planica wird im Dezember nachgeholt, danach warten die Tournee, weitere Heimweltcups und die WM in Oberstdorf. „Wir wollen gut sein. Bei der Skiflug-WM gibt‘s Medaillen, die Tournee ist traditionell einer der wichtigsten Termine im Winter. Die Heim-WM hat den höchsten Stellenwert“, sagt Horngacher.

Sein Konzept für die Mammutsaison: „Wir versuchen, immer so zu trainieren, dass wir den ganzen Winter 90 Prozent fahren und dann zu den speziellen Anlässen auf 100 Prozent zulegen können.“ Dieser punktgenau geplante Formaufbau klappt beim Skispringen natürlich nicht so wie in Ausdauerdisziplinen. Die zurückliegenden Erfolge der Deutschen, die mit Eisenbichler (Weltmeister 2019) und Rückkehrer Andreas Wellinger (Olympiasieger 2018) große Einzelsiege bejubeln durften, deuten aber trotzdem darauf hin, wie akribisch und effektiv die DSV-Adler auf feste Ziele hinarbeiten können.

Hinter den fest als Leistungsträgern eingeplanten Eisenbichler und Geiger sind allerdings viele Fragen unbeantwortet. Routinier Severin Freund und der nach einem Kreuzbandriss genesene Wellinger gelten aber zum Start erst einmal als Außenseiter. Richard Freitag schaffte es nicht in den Kader, obwohl in Stephan Leyhe ein gesetzter Athlet verletzungsbedingt passen muss. dpa
© Südwest Presse 21.11.2020 07:45
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