Trauer um eine Sportikone

Die Bestürzung nach dem stillen Tod des argentinischen Fußball-Genies ist groß. Franz Beckenbauer: Er ist ein Künstler. Ein Tänzer!
  • Vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires nehmen Fans Abschied von ihrem Idol. Foto: RONALDO SCHEMIDT
  • Buchwald (hinten) und Klinsmann im WM-Finale 1990 gegen Maradona. Foto: Martina Hellmann/dpa
  • Diego Maradona (vorn) als 18-jähriger mit seiner Großfamilie in der Stadt Villa Fiorito, wo er unter ärmlichen Verhältnissen mit sieben Geschwistern aufwuchs. Foto: ALEJANDRO PAGNI
Am Ende sagte Diego Maradona – völlig untypisch für sein turbulent geführtes Leben – ganz leise „Adios“. Am Mittwoch gegen 11.30 Uhr Ortszeit wurde „D10s“, der Fußball-Gott (spanisch: Dios) mit der Zehn auf dem Rücken, leblos im Bett gefunden. Die zu seinem Anwesen im nördlich von Buenos Aires gelegenen Tigre herbeigerufenen Notärzte konnten das exzentrische Fußball-Genie nicht mehr retten. Akute Herzinsuffizienz, ein daraus resultierendes Lungenödem, Atemstillstand, Infarkt – so lautete der Autopsie-Befund.

Bestürzung und Trauer waren weltweit groß. Insbesondere in Buenos Aires und Neapel, seinen beiden wichtigsten Wirkungsstätten. In der argentinischen Hauptstadt lagen sich Fans rivalisierender Klubs weinend in den Armen. Die Regierung rechnet mit bis zu einer Million Trauergäste, die sich in der Casa Rosada, dem Präsidentenpalast, am dort aufgebahrten Sarg von ihrem Idol verabschieden werden. Beerdigt wird Maradona auf dem Friedhof Jardin de Paz, wo auch seine Eltern ruhen.

Auch in Neapel, wo Maradona acht Jahre, so lange wie für sonst keinen anderen Klub, beim SSC spielte, war die Trauer groß. „Ciao Gott des Fußballs“ stand auf einem Schild. In den engen Gassen drängten sich in der Nacht zu Donnerstag die Menschen trotz strengen Ausgangsbeschränkungen. 28 Jahre nach Maradonas Abschied prangen immer noch Graffitis und Gemälde zahlreiche Hausfassaden. Bürgermeister Luigi de Magistris versprach, das San-Paolo-Stadion nach Maradona umzubenennen.

Weltweit würdigten Trainer und Fußballer den argentinischen Star. „Was uns alle verbindet, ist die Zuneigung und Liebe zum Fußball. Und die Liebe zum Fußball ist gleichzusetzen mit der Liebe zu Diego Armando Maradona“, sagte Freiburgs Coach Christian Streich.

„Ich liebe Fußball, solange ich denken kann, und er war einer der Größten überhaupt. Er hat den Fußball eindeutig auf ein anderes Level gebracht“, sagte Liverpools Trainer Jürgen Klopp. „Er war ein Genie der damaligen Zeit – in den 70er und 80er Jahren der beste Fußballer der Welt! Das ist kein Fußballer, das ist ein Künstler! Ein Tänzer!“, würdigte ihn Franz Beckenbauer.

„Maradona ist nicht tot, er ist unsterblich. Gott hat der Welt den besten Fußballer aller Zeiten gegeben. Er wird ewig leben“, sagte Zlatan Ibrahimovic, Stürmer beim AC Mailand. Und Ciro Ferrara, ein ehemaliger italienischen Nationalspieler, beschrieb seinen einstigen Teamkollegen beim SSC Neapel so: „Er war ein Gott, doch keiner war menschlicher als er. Er stand niemals auf dem Podest, war nie arrogant. In meinem Leben hat Diego eine enorme Rolle gespielt. Er war der Größte, die Sonne inmitten des Universums.“ (mit dpa/sid)
© Südwest Presse 27.11.2020 07:45
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