VfB Stuttgart gegen Bayern München

Eiskalte Effizienz im Eisschrank

Ein couragierter VfB Stuttgart verlangt müden Münchnern alles ab. Der Aufsteiger zeigt, dass er gegen Spitzenteams mithalten kann.
  • Entschlossene Stuttgarter: Borna Sosa setzt sich im Kopfballduell resolut gegen Bayern-Angreifer Serge Gnabry durch. Am Ende aber waren die Münchner obenauf. Foto: Weber/ Eibner-Pressefoto
  • Das 1:0 für den VfB: Tanguy Coulibaly überwindet Nationaltorwart Manuel Neuer. Foto: dpa
Mehr Torschüsse, mehr Pässe gespielt, mehr gelaufen, mehr Zweikämpfe gewonnen. Keine Frage: Der VfB Stuttgart hat eine starke Vorstellung gegen Rekordmeister Bayern München abgeliefert. Am Ende aber erhielt der Aufsteiger beim 1:3 (1:2) an diesem bitterkalten Nachmittag in der fast menschenleeren Mercedes-Benz-Arena vor allem eine Lehrstunde ins Sachen Effizienz.

Denn die Bayern hatten wahrlich nicht ihren besten Tag erwischt. Sie wirkten ob der vielen Spiele in den vergangenen Wochen und der damit einhergehenden physischen und psychischen Belastung müde, wackelten defensiv mitunter bedenklich. Doch immer dann, wenn es brenzlig wurde in dieser unterhaltsamen Partie, schlug der Favorit zu. Eiskalt, mit einer beinahe unheimlich anmutenden Präzision.

Ja, seine Mannschaft habe keinen Schönheitspreis für den Sieg beim VfB verdient, räumte Bayern-Coach Hansi Flick dann auch in der Pressekonferenz nach dem Abpfiff ein. „Aber wir liefern Ergebnisse. Unter dieser Kategorie hake ich dieses Spiel ab.“ Es war in der Tat ein Kraftakt für die Münchner gegen mutige und überzeugende Stuttgarter, die mit etwas mehr Fortune und Qualität im Abschluss durchaus dieses Spiel hätten für sich entscheiden und damit für eine faustdicke Überraschung sorgen können.

„Stuttgart hat es als Aufsteiger sehr gut und es uns heute schwer gemacht“, betonte Flick und lobte den Gegner. Der VfB spiele einen „sehr attraktiven Fußball“. Flick war nach dem Abpfiff vor allem damit beschäftigt, Fragen nach den Verletzungen seiner Spieler zu beantworten. Linksverteidiger Lucas Hernandez, Innenverteidiger Jérôme Boateng und Mittelfeldmann Javier Martinez verließen den Platz angeschlagen. Ob sie nun länger ausfallen oder bereits am Mittwoch in der Champions League bei Atletico Madrid (21 Uhr/Sky) dabei sein können, ist offen.

Neuer überragt mal wieder

Hansi Flick wollte dennoch nicht klagen ob der Strapazen, denen seine Spieler ausgesetzt sind. Der Terminkalender ist dicht, es folgt Spiel auf Spiel für das Münchner Star-Ensemble. Die Verletzungsgefahr steigt. Das machte das Spiel in Stuttgart deutlich. Und doch sagte Flick: „Wer diese Situation am besten annimmt, hat den größten Erfolg.“

Gewehrt hatten sich seine Schützlinge gegen den VfB. Das mussten sie auch, um die Begegnung nach dem 0:1-Rückstand zu drehen. Was vor allem dank der individuellen Klasse und den Treffern von Kingsley Coman (38.), Robert Lewandowski (45.+1) und Douglas Costa (87.) möglich war. Zudem hatten die Bayern mit Manuel Neuer wieder mal einen Torwart im Kasten, der den Sieg seines Teams in den entscheidenden Augenblicken festhielt.

Der VfB war nach dem herrlich herausgespielten Führungstreffer von Tanguy Coulibaly (20.) am Drücker und hatte mehrfach die Chance aufs 2:0. Philipp Förster, der kurzfristig für den verletzten Daniel Didavi (Muskelfaserriss) ins Team gerückt war, erstmals in der Anfangsformation stand und ein starkes Spiel machte, scheiterte zwei Mal vor oder am herausragenden Neuer.

Als Philipp Förster dann wenig später nach dem inzwischen erfolgten Ausgleich traf, wurde ihm das Tor aberkannt. Coulibaly hatte Bayern-Keeper Neuer zuvor am Arm gezogen, was den Videoschiedsrichter auf den Plan rief. Der Treffer wurde annulliert.

Auch ohne den verletzten Argentinier Nicolas Gonzales entwickelte der VfB viel Offensivpower. Stuttgart zeigte auch gegen die großen Bayern einen gepflegten Kombinationsfußball, hatte eine kluge Raumaufteilung und überraschte mit geradezu überfallartigen Angriffen. Vor allem die schnellen Silas Wamangituka über rechts und Tanguy Coulibaliy im Zentrum beschäftigten die Münchner Vierkette mehr, als es dieser lieb war.

Und so war VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo zufrieden mit seinen Jungs. Er hatte zwei Mannschaften gesehen, bei denen die Effizienz den Unterschied gemacht habe, sagte er. Das sah auch Philipp Förster so. Er befand: „Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht. Leider haben wir uns nicht belohnt.“

Der VfB wartet noch immer auf den ersten Heimsieg in der Saison – und nun seit bereits fünf Spielen auf einen Dreier. Kein Grund zur Panik, meinte Kapitän Gonzalo Castro. Er ist sicher: „Wenn wir so weitermachen, dann müssen wir uns am Ende der Saison keine Sorgen machen.“
© Südwest Presse 30.11.2020 07:45
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