Alleinerziehende Mutter: Schäme mich so, könnte nur weinen

SchwäPo-Hilfsaktion Warum eine alleinerziehende Mutter und ihr 15-jähriger Sohn unmittelbar bedroht sind, obdachlos zu werden. Und wie Advent der guten Tat helfen will.

  • Die alleinerziehende Mutter eines 15-jährigen Sohnes verdient 1100 Euro netto. Das reicht gerade mal für die Miete der kleinen Zweizimmerwohnung samt Nebenkosten. Die 38-Jährige ist verzweifelt, weiß nicht, wovon sie Rechnungen und den Lebensunterhalt bezahlen soll. Foto: UW

Aalen. Die Corona-Krise trifft alle Menschen. Aber ihre Folgen treffen nicht alle Menschen gleich heftig. Während manche um ihre Existenz ringen, sind andere noch in der Lage, Lohnausfälle eine Zeit lang durch Ersparnisse auszugleichen.

Iris Wolf, Schuldnerberaterin der Diakonie, befürchtet für das Jahr 2021 eine Flut von Insolvenzen. „Wir merken besonders jetzt, kurz vor Jahresende schon, dass immer mehr Anfragen kommen, die in direktem Zusammenhang stehen mit der Corona-Krise.“

Die Liste der Anrufer ist lang: Darunter Menschen, die plötzlich ihren monatlichen Schulden-Ratenzahlungen nicht mehr nachkommen können. Und Familien oder Alleinerziehende, deren Kinder zuhause weder auf PC, Drucker noch Tablet zurückgreifen können und darum ihre Aufgaben im Homeschooling irgendwie übers Smartphone zusammenfummeln müssen.

Davon betroffen ist auch der 15-jährige Alexander (Name geändert). Nachdem seine Mutter lange unter den gewalttätigen Übergriffen ihres Ehemanns gelitten hatte, konnte sie sich vor zwei Jahren dann von ihm losreißen. Gemeinsam mit ihrem damals 13-jährigen Sohn ist die gelernte Verkäuferin zunächst für ein Jahr lang bei ihrer Mutter in einer Zwei-Zimmer-Wohnung einer Ostalb-Gemeinde untergekommen. Sie schlief mit dem Sohn auf dem Ausziehsofa, zur Arbeit ist sie jeden Tag nach Aalen gefahren.

Alexander hat stark unter der Trennung und den beengten Verhältnissen gelitten. Er kam nicht mehr mit sich klar. Hat längere Zeit die Schule geschwänzt. Unentschuldigt. Weil Erziehungsberechtigte aber per Gesetz verpflichtet sind, für die Einhaltung der Schulpflicht ihrer Kinder zu sorgen, bekam Alexanders Mutter für diesen Gesetzesverstoß ein Bußgeld von mehreren hundert Euro aufgebrummt. Wenn ihr nicht gelingt, die Strafe in regelmäßigen Raten abzustottern, droht ihr Gefängnis.

Für einen Neustart zu wenig

Daneben muss die 38-jährige Mutter auch Schulden abstottern – in Höhe von 5000 bis 6000 Euro. „Als ich mich von meinem Mann getrennt habe, hab ich nur meinen Sohn und ein paar Kleidungsstücke für uns mitgenommen, erzählt sie. Für einen Neustart zu wenig.

Und doch war sie zuversichtlich, als sie nach langer und vergeblicher Suche nach einer bezahlbaren Wohnung endlich vor einem Jahr den Mietvertrag für eine 60-Quadratmeter-große Zweizimmer-Wohnung unterschreiben durfte. 640 Euro plus 100 Euro Nebenkosten, in denen Heizung und Warmwasser enthalten sind. Damals war die 38-Jährige über eine Zeitarbeitsfirma in einem großen Unternehmen beschäftigt, mit der Aussicht auf Festanstellung. Und mit der begründeten Hoffnung, dass dann alles besser wird, dass sie ihren monatlichen Ratenzahlungen nachkommen kann.

„Doch dann kam Corona. Und ich wurde entlassen.“

Doch dann kam Corona. Ich wurde entlassen.

Eine alleinerziehende Mutter

Inzwischen hat die 38-Jährige zwar wieder einen Job gefunden – als Verpackerin. Sie verdient mit Schichtzulage 1100 Euro netto, hinzu kommen 204 Euro Kindergeld und 293 Euro Unterhalt, erhält ergänzende geringfügige Hartz-IV-Leistungen. „Mein kompletter Lohn geht für Miete und Nebenkosten drauf. Wenn Advent der guten Tat nicht wäre ... mein Sohn und ich wären längst obdachlos“ sagt sie mit rauer Stimme. „Ich schäme mich so, das alles zu erzählen. Ich könnte nur immer weinen.“

Utopisch hoher Stromabschlag

Denn: Was die Wohnung so teuer macht, ist der utopisch hohe Abschlag für Wasser, Strom und Gas: 257 Euro monatlich werden abgebucht. Der Energielieferant hat sich zwar kooperativ gezeigt, den Zähler überprüft, einen Zwischenzähler eingebaut. Die Ablesedaten stimmen.

Schuldnerberaterin Iris Wolf indes bleibt beharrlich. „Wo soll denn der hohe Verbrauch herkommen? Die Mutter geht ganztags arbeiten, der Sohn ist ganztags in der Schule.“ Im Zwei-Personen-Haushalt ist nicht einmal ein Computer, sondern lediglich eine Waschmaschine, ein Staubsauger, eine Mikrowelle und ein Fernseher.

Ein bisschen Lebensmut

Wolf hat die Hausverwaltung eingeschaltet, will in Absprache mit Advent der guten Tat einen Elektriker zu Rate ziehen. Bis sich eine Lösung abzeichnet, wird Advent der guten Tat die Stromabschlagszahlung übernehmen. Zur Schuldenregulierung wird Wolf für die 38-Jährige eine Privatinsolvenz beantragen. Die 38-jährige Mutter schöpft gerade wieder ein bisschen Lebensmut. Ein Aalener Unternehmer, dem es ein persönliches Anliegen ist, die SchwäPo-Aktion zu unterstützen, hat dem Zwei-Personen-Haushalt inzwischen Essstühle finanziert und auch ein eigenes Bett für Alexander.

Mit Ihrer Hilfe, liebe Leserinnen und Leser, kann die alleinerziehende Mutter wieder ein wenig Licht am Ende des Tunnels entdecken. Bitte spenden Sie, damit Advent der guten Tat Mutter und Sohn vor der drohenden Obdachlosigkeit bewahren kann.

Bitte spenden Sie, liebe Leserinnen und Leser. Stichwort: „Advent der guten Tat“:
Konto Kreissparkasse Ostalb, IBAN: DE 41614500500110050500;oder Konto VR-Bank Ostalb,
IBAN: DE 05614901500101010001.

© Gmünder Tagespost 01.12.2020 15:26
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