Leserbeitrag von In my humble opinion

Zum Artikel „Demos vor Heimen für Senioren“, erschienen in der GT am Mittwoch, 30. Dezember:

Als Kommentar 18, als Antwort auf Kommentare 16 und 17:

Nun hören Sie doch bitte auf, aus Wissens- und Vermutungsfetzen eine ganze Geschichte zusammenzubasteln und Unwohlsein und Unbehagen zu verbreiten!

Bei jeder Reproduktion werden in der DNA ( bei Viren auch RNA ) Kopierfehler eingebaut, auch bei Menschen, auch, als Sie und ich gezeugt wurden, das nennt man ganz allgemein "Evolution", Einzelheiten dazu kann man bei Wikipedia nachlesen.

Insofern ist es ganz normal, dass man beim Sars-CoV-2 inzwischen Mutationen findet, es ist nicht nur "B.1.1.7", es gibt inzwischen mehr davon, als Sie Finger und Zehen haben, es gibt auch eine vermutlich noch ansteckendere Variante als B.1.1.7, gefunden in Südafrika. Wir in D wissen nur so wenig über die Mutationen, weil sie bei uns - im Gegensatz zu anderen Ländern - nicht explizit gesucht, sondern nur in Ausnahmefällen gefunden werden.

Nach allem bekannten Wissen sind die Varianten unterschiedlich in der Art, wie schnell sie sich ausbreiten, also von einem auf den anderen Mensch übergehen, aber sie unterscheiden sich im Prinzip vermutlich nicht darin, wie krank ein Mensch davon wird, das liegt wohl in der Genetik und der Lebensgeschichte eines jeden einzelnen Menschen begründet.

Die zur Zeit verwendeten Impfstoffe ( mRNA ) basieren darauf, dass Körperzellen auf Basis der RNA-Informationen Strukturen herstellen, die denen auf der Virushülle gleichen. Zur Erinnerung: Die dauerhafte genetische Erbinformation ist bei uns als DNA im Zellkern gespeichert, diese wird "abgelesen" und in RNA übersetzt, die als Überträger ( "Bote", deshalb "m" ) in das Zellvolumen dient. Dort wird sie abgelesen und gemäß der Information werden Eiweißkörper ( Proteine ) hergestellt. Wir haben keinerlei Fähigkeit, die RNA wieder in DNA "zurück zu übersetzen".  Die eingeschleuste Impf-mRNA dient nun in der Zelle als Bauanleitung für Bestandteile der Virushülle, das Immunsystem erkennt diese als "fremd" und baut eine Abwehr dagegen auf. Wenn dann das Virus kommt, ist der Körper, ist die Immunabwehr vorbereitet und kann sofort zuschlagen.

Dieses Verfahren ist vorher an mehrfach 30.000 Probanden ( und das waren, wenn man so will, die menschlichen "Versuchskaninchen", nachdem vorher noch vielfach an Zellkulturen die Sicherheit überprüft worden war ) mit Erfolg angewendet worden - und auf Basis dieser Erkenntnisse wurde die Zulassung als Impfstoff erteilt.

Es gibt natürlich Wissenslücken, nämlich, wie lange der Impfschutz anhält. Das ist eine gute Frage, die wir aber erst in einiger Zeit beantworten können, wenn nämlich genügend Geimpfte in unterschiedlichen Zeiträumen mit dem Virus in Kontakt gekommen sind. Es wird sicher Ausnahmen geben, wie es ja auch schon Einzelfälle gab, in denen sich Personen zwei Mal nacheinander mit dem Virus angesteckt haben und das war - Ironie - deshalb nachweisbar, weil es sich um unterschiedlich mutierte Varianten handelte!

Es gibt auch noch Wissenslücken, ob ein Geimpfter nun nicht mehr erkrankt, ob er nur leicht erkrankt und ob - und das wäre wichtig zu wissen - ein Geimpfter das Virus weitergeben kann, an Geimpfte und an Ungeimpfte. Das werden wir aber alles in naher Zukunft wissen, wenn viele geimpft wurden und - wieder Ironie - wegen der Impfmuffel noch genügend ansteckungsfähige Personen "frei" ( ohne AHA ) herumlaufen.

Und sicher, "das Virus" wird im Laufe der Zeit weiter mutieren. Das betrifft uns und den Impfstoff aber nur dann, wenn gerade die Oberflächenstrukturen beim Virus sich ändern würden, die der Impf-mRNA entsprechen. Mit den mRNA-Impfstoffen haben wir aber die Möglichkeit, durch Anpassung der Information ziemlich schnell darauf antworten zu können.

Das ist ein Riesenvorteil gegenüber den konventionellen Grippe-Impfstoffen ( um hier mal die Brücke zu schlagen ). Bei der Grippe ist das herkömmliche Vorgehen, dass sich die Genetiker im Winter die Viren-Varianten anschauen, die Varianten mit der wahrscheinlichsten Verbreitung "ausgucken"=auswählen, worauf Millionen Hühnereier damit infiziert werden, diese Virusfragmente erbrüten, diese Fragmente gereinigt und konzentriert, als Impfstoff abgefüllt und verteilt werden müssen - und schon ist ein 3/4 Jahr vorbei, der Impfstoff kommt zu den Ärzten ganz grob ein Jahr nach der Auswahl der Virusvarianten. Das das bisher so gut funktioniert hat, zeigt das Können der Experten, und wenn es mal nicht klappt ( siehe Dreifach-Vierfach-Impfstoff ), dann hat es doch geklappt ( Vierfach ) und wegen Geiz bei unserem Gesundheitsystems eben nicht ( Dreifach ).
Das sind völlig andere Sachverhalte als jetzt beim mRNA-Impfstoff.

Also bitte, etwas mehr Augenmaß, etwas mehr Wissen bei der Diskussion, mit Geistersuche und -beschwörung kommen wir nicht weiter.

© In my humble opinion 05.01.2021 17:48
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Kommentare

W Dan

"Es gibt natürlich Wissenslücken"

Aber doch bei Frau Hofmann nicht.

Karin Hofmann

Hallo humble opinion, 

das Thema war ja immer: Zuerst die Impfung in Altersheimen. Das Thema war ja immer: Dort leben fitte Senioren. Das Thema war ja immer: Nein: Dort lebt die Hälfte als Vorerkrankte, schwerst krank, bettlägerig. Diese alle wurden nun zum Schutz zuerst geimpft.

Zur Impfung in Altersheimen von schwerst Erkrankten/Bettlägerigen und die Ergebnisse (das ist nur der Anfang):

Todesfälle nach Impfungen werden untersucht. Bis zu diesem Donnerstag sind zehn Todesfälle nach Impfungen gemeldet worden, die das Paul-Ehrlich-Institut untersuche. "Wir gehen davon aus, dass die Patienten aufgrund ihrer Grunderkrankung verstorben sind", sagte Keller-Stanislawski und verwies auf das hohe Alter und die Vorerkrankungen der Gestorbenen.

Es würden zurzeit "wirklich schwerkranke Personen geimpft, auch palliative Patienten“.

Die Zahlen lägen im "Rahmen des Erwarteten". Bislang sehe man kein "Risikosignal bei diesen Zahlen".

Nun beginnt das Sterben der armen, alten, vorerkrankten Menschen, denen die Impfung den Todesstoss versetzt hat. Die Todeszahlen werden, irgendwann, öffentlich gemacht werden müssen. 

Karin Hofmann

"Also bitte, etwas mehr Augenmaß, etwas mehr Wissen bei der Diskussion, mit Geistersuche und -beschwörung kommen wir nicht weiter".

Ja, da haben Sie nicht ganz unrecht. "Unwohlsein" und "Unbehagen" für die Leser zu erzeugen muss nicht sein. Danke!

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