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Anträge stellen und in der Krise unterstützen

Der deutsche Paragrafendschungel hat in der Corona-Krise einige neue Zuwächse bekommen. Ohne die Hilfe von Finanzexperten ist zum Beispiel die Beantragung der verschiedenen Corona-Hilfen der Bundesregierung zumeist unmöglich.
  • Die Bundesregierung hat in der Corona-Krise viele Hilfspakete geschnürt. Doch ohne Hilfe von Fachleuten kommt bei den Unternehmen und Selbstständigen nichts an. Foto: Dan Race/adobe stock

Es hat sich so selbstverständlich und einfach angehört. Unbürokratisch und schnell sollten die Corona-Hilfen an die betroffenen Unternehmen und Selbstständigen fließen – so lautete das Versprechen der Regierung. Doch schon ein Blick auf die Internetseite (https://www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de) des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt, wie komplex die ganze Thematik ist.

„Prüfende Dritte“ müssen die Anträge stellen

Die ersten Fallstricke ergeben sich bei der Beantragung der Corona-Hilfen bereits bei der der Aufteilung, die sich in „Novemberhilfe“, „Dezemberhilfe“, „Überbrückungshilfe II“ und in „Überbrückungshilfe III“ aufteilen. Diese können Unternehmen und Selbstständige beantragen, je nachdem, inwiefern sie vom Lockdown betroffen sind. Bis auf wenige Ausnahmen müssen sie dafür einen „prüfenden Dritten“ beauftragen, also einen Anwalt, Buch- oder Wirtschaftsprüfer, oder einen Steuerberater. Die Regierung wollte dadurch nicht nur Missbrauch vorbeugen, sondern auch Falschanträge vermeiden – und dadurch das Verfahren beschleunigen.

Hoher Aufwand und Rechtsunsicherheit

Auf welche Hilfen jemand Anspruch habe, muss in jedem Einzelfall genau geprüft werden. Jedoch muss auch immer ein Auge darauf geworfen werden, ob der laufende Antrag noch stimmt oder nicht. Denn zu oft haben die Berliner Ministerien neue Regeln verschickt, wofür überhaupt Hilfen beantragt werden können. Die haben sich zum Beispiel aufgrund von Anpassungen an das EU-Beihilferecht geändert: Demzufolge können die Unternehmen nur noch Verluste erstattet bekommen – und nicht, wie ursprünglich angekündigt, Umsatzeinbußen.

„Wir Steuerberater tragen das Risiko für diese Regelungslücken. Das ist das Hauptproblem“, sagte Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer in einem Interview mit der ARD. Dass die Steuerberater viel Geld mit den Anträgen auf Corona-Hilfen verdienen, glaubt Schwab ohnehin nicht. Die Inhaberin einer Kanzlei erklärt im selben Interview, die meisten Anträge seien für ihre Kanzlei nicht rentabel, aber man müsse den Klienten helfen – schließlich seien diese oft überfordert und „völlig geschockt“ von der Situation: „Es ist unsere Verpflichtung, sie in der Krise zu unterstützen.“ pm/wom

Durchbruch bei Fristverlängerung

Die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) und der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) hatten sich dafür seit Monaten für die Fristverlängerung eingesetzt, denn der Berufsstand ist seit Beginn der Corona-Krise in besonderem Maße für seine Mandanten im Einsatz.

Ohne Verlängerung keine Fristeinhaltung

Egal ob Beratung zu Kurzarbeitergeld, KfW-Kredite, befristete Umsatzsteuersenkung, Überbrückungshilfe I und II, November- und Dezemberhilfe, zu all diesen Themen suchen die Mandanten den Rat und die Unterstützung ihres Steuerberaters und seiner Mitarbeiter. Routinetätigkeiten wie Lohn- und Finanzbuchhaltung gerieten darüber ins Stocken, die Fristeinhaltung der Steuererklärungen 2019 unmöglich.

BStBK-Präsident Prof. Dr. Hartmut Schwab zeigt sich erleichtert: „Der Einsatz für die dringend benötigten Entlastungen hat sich gelohnt, eine angemessene Fristverlängerung für den Veranlagungszeitraum 2019 wird kommen. Damit löst sich die seit Monaten angespannte Lage in unseren Kanzleien etwas und wir können ein wenig aufatmen. Unser wochenlanger Einsatz für den Berufsstand trägt jetzt Früchte und das monatelange Engagement der Steuerberater wird endlich anerkannt.“

DStV-Präsident Harald Elster betont: „Der Vorstoß der Koalitionspartner ist ein starkes Signal für den Erfolg der Überbrückungshilfen! Nach unseren Appellen seit Sommer reift endlich die Erkenntnis: Der Berufsstand ist ein unverzichtbarer Baustein für die Stabilität der von der Krise gebeutelten Wirtschaft. Das erfreut uns in höchstem Maße. Nun gilt: Die Bundesländer sollten verantwortungsbewusst der Initiative folgen.“

Beide berufsständischen Organisationen sind über dieses erweiterte Zeitfenster erleichtert, denn jetzt sei auch wieder mehr Zeit für die Bearbeitung der Corona-Hilfen.

Die aktuellen Corona-Hilfen der Bundesregierung

Corona-November- und Dezemberhilfe: Die außerordentliche Wirtschaftshilfe des Bundes für Unternehmen, Betriebe, Selbstständige, Vereine und Einrichtungen, deren Betrieb aufgrund der zur Bewältigung der Pandemie erforderlichen Maßnahmen temporär geschlossen wurde. Anträge auf die November- und die Dezemberhilfe können bis 30. April 2021 gestellt werden.

Überbrückungshilfe für kleine und mittelständische Unternehmen: Die Überbrückungshilfe bietet finanzielle Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen, Selbstständige sowie gemeinnützige Organisationen. Sie hilft, Umsatzrückgänge währen der Corona-Krise abzumildern. Die Förderung ist ein gemeinsames Angebot von Bund und Ländern.
Die Überbrückungshilfe II umfasst die Fördermonate September bis Dezember 2020. Anträge für diesen Zeitraum können ab sofort gestellt werden. Die Antragsfrist endet am 31. März 2021.
Zur Überbrückungshilfe III gehört auch die sogenannte „Neustarthilfe für Soloselbstständige“. Zu den zu berücksichtigenden Kosten soll für diese Gruppe künftig eine einmalige Betriebskostenpauschale von 25 Prozent des Umsatzes im Vergleichszeitraum zählen. Unternehmen der Veranstaltungs- und Kulturbranche können zudem für den Zeitraum März bis Dezember 2020 Ausfallkosten geltend machen.
Quelle: www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de

© Gmünder Tagespost 21.01.2021 15:02
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