Anruf von Mario Capezzuto

"Nachdem meine Meinung zum Ausscheiden des Gmünder Abgeordneten in der GMÜNDER TAGESPOST stand, klingelte das Telefon. Eine italienische Vorwahl. Ein Mann fragte mich, wer ich sei. Erst auf mehrmaliges Nachfragen gab er dann auch seinen Namen preis: Mario Capezzuto. In den zehn Minuten des Gesprächs betonte er mehrfach, dass ich ein 'unpolitischer Mensch' sei und 'von Politik habet Sie gar koi Ahnung'. Es 'rentiert sich gar nicht, mit ihnen zu sprechen'. Warum hat er dann eigentlich angerufen?
Er habe Anrufe bekommen, was das 'für ein furchtbarer Zeitgenosse' sei, 'der so einen Unsinn schreibt'. Das sei 'ein unverschämter Leserbrief' gewesen und 'Sie werden noch von meinen Parteifreunden zu hören kriegen'.
Dieses Telefonat hat mich nicht wirklich überrascht. 'Getroffene Hunde bellen', heißt es im Volksmund. Er verkraftet seine Niederlage (noch) nicht.
Diesen Dienstag wurde dann also der Brief seines Parteifreundes Stefan Oetzel veröffentlicht. Darauf möchte ich eingehen, da er sich ebenfalls mehr mit mir als mit inhaltlicher Kritik beschäftigt.
Trägt Herr Oetzel als Regional-Geschäftsführer eigentlich Mitverantwortung für die schlechten Wahlergebnisse der Landtags- wie auch der Bundestagswahl im September 2005? In beiden Wahlkreisen Schwäbisch Gmünd und Aalen hat die SPD aktuell jeweils ein Drittel der Stimmen verloren.
Wer ist schuld daran? Laut Herrn Capezzuto, die geringe Wahlbeteiligung, die WASG, die nicht wählenden traditionellen SPD-Stammwähler, die große Koalition in Berlin, vermutlich auch Leserbriefschreiber wie meine Person. . . Nicht der Kandidat, nicht die SPD vor Ort. Darauf würde man nie kommen. Jammern und Ausreden.
Lieber setzt man die Propagandamaschine in Betrieb und schimpft auf Leserbriefschreiber. Was bringt's? Demokratie heißt auch, freie Medien, Wahlergebnisse und freie Meinungsäußerungen wie diese zu akzeptieren.
Tatsächlich war ich in jungen Jahren in dieser Partei aktiv. Das war ein langjähriger Fehler, was mir viel zu spät bewusst wurde. Denn damals wie heute beschäftigt man sich in der SPD lieber mit sich selbst. Glücklicherweise habe ich den Ausstieg geschafft und engagiere mich sinnvoller als damals. Das kann man dem abgewählten Abgeordneten und dem Geschäftsführer nur empfehlen."
Johannes Bayer, Mögglingen
© Gmünder Tagespost 06.04.2006 00:00
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