Wie krank ist die Gesundheitspolitik?

Ein Aufruf an die Patienten:
Mediziner werden in Deutschland für teures Geld ausgebildet, viele gehen ins benachbarte Ausland oder arbeiten in anderen Institutionen, weil die Ausübung ihres Berufes am Patienten mit unerträglichen Vorschriften und Einschränkungen belastet wird.
Alles bezieht sich nur noch auf Wirtschaftlichkeit. Planziele müssen erreicht werden. Gesundheit oder Krankheit ist aber nicht planbar. Von den Kassenärztlichen Vereinigungen in Zusammenarbeit mit einer Unzahl von Krankenkassen werden Ärzte und Pflegepersonal von Kliniken, niedergelassene Ärzte, Apotheker und letztlich wir Patienten „per Gesetz“ gegängelt. Übertriebene Bürokratie kostet Zeit, die am Patienten verloren geht. Strafzahlungen der Ärzte wegen Überziehung des Budgets nach dem Motto „Wer zu viel verordnet, bezahlt selbst“, sowie unsinnige Fallpauschalen, nach denen Kliniken abrechnen müssen, machen Ärzten und Pflegepersonal das Leben schwer.
Setzen wir Patienten uns genügend damit auseinander? Kümmert es uns, wovon tausende von Mitarbeitern der Kassenärztlichen Vereinigungen bezahlt werden? Nehmen wir Notiz von den mehrstelligen Millionengewinnen der Krankenkassen? Interessiert es uns welche Kosten der Medizinische Dienst verursacht oder wie viele Millionen Euro für initiierte Studien über angebliche Vermeidung von Behandlungsfehlern ausgegeben werden? Dies alles finanzieren wir Beitragszahler. Eine Regresswelle überflutet die niedergelassenen Ärzte. Die Rückforderungen der Kassenärztlichen Vereinigungen, die im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen handeln, sind überzogen hoch und bedrohen in Einzelfällen die Existenzen der Arztpraxen. Wer überprüft die Wirtschaftlichkeit der Krankenkassen? Gesundheit ist nicht planbar! Stellen wir Patienten uns die Frage, welch administrativer Aufwand hier betrieben wird? Wie geht man „per Gesetz“ mit einem Berufsstand um, den wir Patienten aufsuchen, wenn wir medizinische Hilfe brauchen? Die Verbetriebswirtschaftlichung unserer Gesundheitspolitik ist dringend behandlungsbedürftig. Edith Prantl, Nattheim
© Gmünder Tagespost 01.12.2007 00:00
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