Ehtische Grundsätze der Ökonomie?

Zum Thema: Opel bettelt den Staat um Subventionen an:
Opel schnorrt den Staat schnell mal um eine Milliarde an. Um Arbeitsplätze zu sichern, wie es heißt. Und wohin soll das Geld fließen? Ach ja, Opel gehört zu General Motors. Nicht gerade eine deutsche Firma.
Wer in diesem Land dauerhaft arbeitslos wird, ob selbst verschuldet oder nicht, hat sich in privatem wie wirtschaftlichem Sinne bis aufs Unterhemd zu entblößen und vorab seinen gesamten Besitz in bare Münze zu verwandeln, bevor er vom Staat auch nur einen Cent zur Verfügung gestellt bekommt. Indessen kann der Privatunternehmer, der seine Firma in wirtschaftliche Schieflage bringt, die Regierung völlig ungehindert um milliardenschwere Subventionen anbetteln, unverblümt und scheinbar ohne jede Scham.
Ist eine derartige moralische Schieflage überhaupt noch vermittelbar? Wo sind sie abgeblieben, die über den grünen Klee gelobten ethischen Grundsätze der deutschen Ökonomie? Ist das Ganze nun der Auftakt zu einer aus den Portemonnaies der Steuerzahler erwirkten sozialistisch-monetären Mäzenierung der Konzerne? Verkraftet unser Finanzsystem überhaupt eine generalstabsmäßige Planverschuldung des Fußvolkes zu Gunsten der Großkapitalbesitzer? Oder handelt es sich hier vielmehr um den ersten Unkenruf vom Ende der sozialen Marktwirtschaft, einem letzten Aufglimmen des längst so gut wie erloschenen Wirtschaftswunder-Funkens von einst?
„Ruhe bewahren“, heißt es immer öfter aus der politischen Chefetage. Das sagt sich so einfach und leger; sehen sich Merkel&Co doch einem gewaltigen Identitäts- und Interessenkonflikt ausgesetzt. Sind Parlamentarier primär Förderer der Wirtschaft oder Hüter der Legislative? Vertreten sie die Interessen der Unternehmer oder diejenigen des Volkes? Falls sich der lobbyistische Klammergriff zwischen politischen Amtsträgern und der Wirtschaftsfinanz irgendwann lösen sollte, könnte der Wunsch der Politiker nach Ruhe im Innern der Republik wohl wahr werden.
Nils Mille, Aalen
© Gmünder Tagespost 28.11.2008 03:05
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