Dialog intensivieren statt stoppen

Zu den SchwäPo-Berichten, den „Fall Williamson“ betreffend:
Es ist eine unbestreitbare und der Humanität zutiefst verpflichtete Wahrheit, dass durch das Leugnen des Holocaust die Würde der Opfer des verbrecherischen nationalsozialistischen Rassenwahns ein zweites Mal mit den Füßen getreten wird.
Den jüngsten Fall des Leugnens hat nun nicht etwa ein verbohrter deutscher Neonazi zu verantworten, sondern ausgerechnet ein hoher geistlicher Würdenträger (britischer Herkunft), von dem man doch fraglos hätte erwarten dürfen, dass seine Worte und Taten von christlicher Nächstenliebe getragen sind. Die Enttäuschung und Empörung über das aktuelle Verhalten des Bischofs Williamson von der Pius-Bruderschaft ist entsprechend groß, sein törichtes und provozierendes Leugnen des Holocaust ist unfassbar.
Zwar hat sich Williamson inzwischen beim Papst entschuldigt, keineswegs aber bei den jüdischen Gemeinden und Organisationen, was einen erneuten Affront darstellt, zumal sich der Bischof von seinen unsäglichen Äußerungen mitnichten distanziert hat. Das ein Ermittlungsverfahren wegen dieses Offizialdelikts gegen ihn läuft, scheint ihn nicht im Geringsten beeindruckt zu haben.
Als Konsequenz hat der Zentralrat der Juden den christlich-jüdischen Dialog vorläufig suspendiert, was völlig verständlich ist, aber zugleich auch ein wenig paradox. Denn dieser Dialog wurde ja nicht ins Leben gerufen, um Belanglosigkeit auszutauschen, sondern um immer noch bestehende Barrieren zwischen den Religionen abzubauen, insbesondere um aktuelle Konflikte aufzuarbeiten und möglichst einer dauerhaften Lösung zuzuführen.
Im vorliegenden Fall sollte der Dialog besser nicht ausgesetzt, sondern intensiviert werden, und zwar rasch, entschieden und vorbehaltlos. Hans-Jürgen und Christine Kliefoth,
Aalen
© Gmünder Tagespost 06.02.2009 03:05
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