„Schon toll, was sich die Bahn leistet“

Geplagte Pendlerin:
Schon im ersten Abschnitt der Bauarbeiten zwischen Aalen und Gmünd musste ich – obwohl ja mit Jahresabo von Lauchheim nach Stuttgart ausgestattet – in Aalen einen Parkplatz im Parkhaus mieten, denn mit der Bahn von Lauchheim und dann mit dem Schienenersatzverkehr nach Gmünd hätte sich mein Arbeitsbeginn um ca. 40 Minuten verzögert. Dass es in den drei Monaten immer wieder zu Verspätungen, Zugausfällen, Betriebsstörungen (..) gekommen ist, und sich die Fahrzeit nochmals verlängert hat, braucht man für Bahnfahrer, nicht zu betonen.
Jetzt, während des 2. Bauabschnitts, macht es noch mehr Spaß, denn jetzt fahre ich mit dem Auto nach Aalen, dann mit dem Zug nach Gmünd, dann mit dem Bus nach Schorndorf – in Schorndorf wieder 15 bis 20 Minuten Pause – dann mit dem Zug nach Stuttgart.
Der absolute Knüller ist die Rückfahrt am Abend. Also erst Zug, dann Bus und man kommt in Gmünd an, steht schon auf dem Bahnsteig und dann fährt der Zug aus dem Bahnhof! Also wieder 15 Minuten Pause. Inzwischen wurden wir schon mal darüber informiert, dass das alles so seine Richtigkeit hat, denn eigentlich dürften wir noch gar nicht am Bahnhof sein. Nicht die Bahn macht was falsch in der Planung, sondern wir sind einfach zu früh! Als es uns dann doch einmal gelungen ist, den schon abfahrbereiten Zug zu erreichen, informierte uns der Zugbegleiter darüber, dass er jetzt erst mit zwei Minuten Verspätung abfahren kann und wir schuld seien. Wenn man jeden Abend den Anschluss aus dem Bahnhof fahren sieht, hapert es an der Planung, hielten wir dagegen. Die Antwort: „Dann fahren Sie doch mit dem Auto und meckern Sie hier nicht auch noch rum.“ Toller Kundendienst! Nicht nur, dass man in dreckigen, oft defekten und selten pünktlichen Zügen transportiert wird, dass man Mehrkosten auf sich nimmt, dass noch mehr Freizeit auf der Strecke bleibt, man wird auch noch ungemein freundlich behandelt. Schon toll, was sich die Bahn da leistet.
Heide Seegis, Lauchheim
© Gmünder Tagespost 20.08.2009 09:56
931 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben

Kommentare

Die Bahn scheint das Problem nun auf Ihre Art "gelöst" zu haben. Die Busse fahren jetzt in Schorndorf eher mal 1-2 Minuten später ab, als im Fahrplan angegeben und auch durchgehend gleichmäßig langsamer, so daß sich die Fahrt um ca. 3 Minuten verlängert. Der sowieso nicht geplante Anschlusszug ist dann natürlich schon abgefahren. Dies hat den Vorteil, daß die Fahrgäste nicht mehr mit ansehen müssen, wie Ihnen der Zug vor der Nase wegfährt. Was das mit Kundenservice zu tun hat, bleibt wohl ein Rätsel.

Es bleibt einem dann nichts anderes übrig, als am Bahnhof in Schwäbisch Gmünd auf den von der Bahn geplanten Anschlusszug zu warten. Mit viel Glück sind dies ca. 10 Minuten, mit viel Pech über 30 Minuten. Und fast immer hat man den Zug davor nur um wenige Minuten verpasst. Totale Fehlplanung.

Sich darüber beim Servicepersonal zu beschweren, sollte man sich allerdings zweimal überlegen. Manche sind nicht nur unfreundlich, sondern auch beleidigend. Ein Busfahrer der DB Regio hat mir sogar Prügel angedroht: "Wenn Sie jetzt nicht Ihren Mund halten, dann gibt es noch was ganz anderes!"

Schon toll, zahlen und Maul halten. Und wem es nicht passt, der kann ja mit dem Auto fahren. Als ob dies auf dieser Strecke eine wirkliche Alternative wäre.

Andreas Schaupp, Aalen

Gabriele Wanner

Ich bin bis 2002 über zehn Jahre mit der Deutschen Bundesbahn gen Stuttgart gependelt und empfinde für alle, die derzeit unter den Gebahren der Deutschen Bahn zwischen Aalen und Stuttgart leiden großes Mitleid.
Schon der Namenswechsel dieses Verkehrsbetriebes brachte vor Jahren negative Veränderungen.
Kein Arbeitnehmer, der glücklicherweise mit dem Rad oder zu Fuß zum Arbeitsplatz kommen kann, hat eine Ahnung von diesen Ärgernissen, die leider zweimal täglich zu Zeiten auf einen Pendler treffen, zu denen er mehr als genervt ist.
Ich bin froh, dass ich die Deutsche Bahn nicht mehr in Anspruch nehmen muss. Werde es auch nicht mehr freiwillig machen! Allen Pendlern wünsche ich großes Durchhaltevermögen, ihr habt meinen Respekt! Vieleicht wird es mal wieder besser.