Integration auf gutem Weg

Leserbrief zu Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schaft sich ab“„Wenn ich auf die vergangenen 25 Jahre zurückblicke, so kann ich feststellen, dass die Integration der ausländischen Mitbürger, vor allem auch aus der türkischstämmigen Bevölkerung, in den Städten und Gemeinden des Ostalbkreises ein gutes Stück vorangekommen ist. Diese positive Entwicklung tritt bei all dem Hype um den Eiferer und Polemisierer Sarrazin, der von den Medien geradezu hoffiert wird, völlig in den Hintergrund. So ist zum Beispiel in Heubach die Zahl der Kinder, die eine weiterführende Schule besuchen, deutlich angestiegen. Migranten engagieren sich als Übungsleiter und in politischen Parteien, helfen bei Kindergarten-, Schul-und Vereinsfesten mit. Zwischen Heubacher Schulen und einer Schule in der Türkei gibt es eine Schulpartnerschaft, auf kirchlicher Ebene finden Begegnungen zwischen Christen und Muslimen statt. Zu nennen ist auch das Deutsch-Türkische-Netzwerk, das die Integrationsbemühungen im ganzen Ostalbkreis fördert und unterstützt.
Bei all dem Positiven wird nicht verkannt, dass immer wieder Schwierigkeiten auftreten und in Ballungszentren, insbesondere in Großstädten, unstreitbar Probleme vorhanden sind. Die oben angeführten Beispiele zeigen aber, Integration kann gelingen, wenn sie sowohl von Migranten als auch von der einheimischen Bevölkerung gewollt wird. Integration muss ein gemeinsames Anliegen sein, sie muss eingefordert und gleichzeitig gefördert werden auf der Grund-lage der geltenden Rechts- und Gesellschaftsordnung und in gegenseitigem Respekt vor dem Anderen. Ganz wichtig für ein Gelingen der Integration erscheint mir dabei, den Migranten zu signalisieren, dass wir sie unter Achtung ihres kulturellen und religiösen Hinter-grundes als Teil unserer Gesellschaft ansehen und sie hier Mitverantwortung tragen sollen.
Herr Sarrazin hat mit einer so verstandenen Integration nichts am Hut. Mit seinen statistisch verbrämten Thesen, vor allem aber mit seiner Behauptung einer genetisch begründeten niedrigeren Intelligenz der Muslime, mit der er schichtspezifische und soziale Proble-me zu genetischen umdeutet, diffamiert er unsere muslimischen Mitbürger und weckt Vorurteile und Ängste in der Bevölkerung. Er stößt damit die ganz überwiegende Mehrzahl der Muslime, darunter auch viele mit deutscher Staatsbürgerschaft, vor den Kopf und untergräbt die vielfältigen Integrationsbemühungen. Ich hoffe, sie und wir alle lassen uns von ihm nicht davon abhalten, dieses unser Land, in dem wir leben, gemeinsam zukunftsfähig zu machen. Dazu brauchen wir keine „abgeschafften Gestrigen“.
Gerhard Kuhn,
Heubach
© Gmünder Tagespost 04.09.2010 03:09
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Kommentare

Eine nette Geschichte, aber leider nicht ganz richtig. Die Probleme gibt es nicht nur in den Ballungszentren. Auch in unserer Gegend kommt es immer mehr vor, dass deutsche Kinder bereits in der Grundschule von nicht deutshcne Mitschülern als Schweine oder Kartoffel beschimpft werden, over ihnen auf das Brot mit Schweineschinken gespuckt wird. Dies ist eine Minderheit, aber dennoch mesorgnisserregend. Das Machen Grundschüler nicht ohne dazu angeleitet zu werden. Jemand der sich bei uns derart unwohl fühlt, kann gerne an einen Ort gehen der ihm besser gefällt. Er soll aber nicht versuchen meine Heimat nach seinen Wünschen umzugestalten. Integration ist eine Bringschuld.