Leserbeitrag von Albert Vogt

Landschaft ist mehr als Topographie vom 17.02.2012

Albert Vogt                 Abtsgmünd, 20.02.2012
Fachsenfelder Straße 16
73453 Abtsgmünd

Schwäbische Post
Redaktion
Bahnhofstraße 65

73430 Aalen

 

Herr Grimminger scheint, wie aus seinem Beitrag zu entnehmen ist, ein etwas distanziertes Verhältnis zu regenerativen Energien und speziell zur Windkraft zu haben.
Natürlich hat er Recht wenn er sagt, dass unsere Raumschaft mit der schwäbischen Alb einen einzigartigen landschaftlichen Reiz hat. Und dass dabei Windräder ein Störfaktor für freie Blickachsen sein können ist auch richtig.
Aber im Gegensatz zum Ihm glaube ich nicht, dass der Ausbau der Windkraft hier im Lande überstürzt ist. Sie ist meiner Meinung nach zu lange vernachlässig worden. BW hinkt im Vergleich mit anderen Bundesländern bei der Nutzung von Windenergie weit hinter her. Lange Zeit hätten die Regionalverbände diesbezüglich entscheiden können wenn sie gewollt oder gedurft hätten.
Auch glaube ich nicht, dass es sich bei der Aufstellung von Windrädern um den größten Eingriff in unser Landschaftsbild seit Menschengedenken handelt. Schon viel früher wurden große Sünden begangen. Denke man doch nur an Straßenbau und Hochbau in unserem Besiedelungsraum. Da gibt es wohl ungleich größere Eingriffe in Natur, Landschaft und Landschaftsbild.
Die derzeit noch verfügbaren nicht regenerativen Energieträger sind schon bald aufgebraucht oder aber hinterlassen einen Abfall, der über tausende von Jahren für Mensch und Umwelt so gefährlich und schädlich ist, dass wir immer noch nicht wissen wo hin mit ihm.

Dass es beim Ausbau der Windenergie Gewinner und Verlierer gibt ist auch klar.
Bei der Energieversorgung war der Bürger schon immer Verlierer. Man denke nur an die vier großen Energieunternehmen mit Monopolstellung, die Jahre lang mit der Kernenergie Milliardengewinne machten und den privaten Stromverbraucher bei der Gestaltung der Stromtarife daran nicht teilhaben ließen.
Der bedenkenlose Geschäftssinn war hier schon immer Geschäftsidee.
Und auch hier musste bzw. muss die Bevölkerung mehrfach bezahlen, von der Forschung bis zur Endlagerung.
Und was die Industrie betrifft, die hat es erfolgreich verstanden sich nicht an der Umlage nach dem EEG zu beteiligen und es alleine dem privaten Verbraucher überlassen.

Die kommunale Energieversorgung betreffend ist nicht so schlecht wie dargestellt. Sie bietet mehr Wettbewerb und dies nicht nur in der Fläche. Dass dies ein Nachteil für den Industriestandort BW und andere Südländer sein soll könnte ja nur dann zutreffen wenn man unterstellt, dass Großabnehmer bzgl. Sonderkonditionen leichter mit den den Strommarkt beherrschenden vier Monopolisten verhandeln.

Die Förderung der Photovoltaik ist keine Ressorcenverschwendung. Sie war nur in den letzten Jahren zu hoch. Ohne Forschung und Förderung alternativen Energien gibt es keine Zukunft für die Energieversorgung über 2050 hinaus; auch nicht für Industrieländer. Die derzeit noch vorhandenen
fossilen Energieträger werden bald unbezahlbar.

Bis jetzt ist das von Herrn Grimminger gezeichnete Szenario der Landschaftsverschandelung so noch nicht eingetreten. Irreversible Entscheidungen wurden von den sich mit dem Thema Windkraftstandortfindung befassten Damen und Herren in den Kommunen meines Wissens noch nicht getroffen. Man sollte ihnen dies im Voraus auch nicht unterstellen, wenngleich ich der Meinung bin, auf ihre Meinungsbildung im Sinne von möglichst schonenden Eingriffen in das Landschaftsbild auf sie Einfluss zu nehmen gut ist.

Interessiert hätte mich noch, ob Herr Grimminger andere Lösungen für zukünftige Energieversorgung aufzeigen kann, die für Landschaft und Umwelt schonend und gleichermaßen für den normalen Stromverbraucher bezahlbar sind.

 

© Albert Vogt 20.02.2012 19:42
1818 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.