Verfehlt

„Als gebürtige Gmünderin (...) staune ich über die derzeitige Diskussion über Straßennamen aus faschistischer Zeit. In Russland wird die Wirtschaftskraft Deutschlands bewundert und Vorbehalte wegen der faschistischen Vergangenheit spüre ich nicht, auch nicht bei der diesjährigen Siegesparade. In Russland aber heißt Stalingrad wieder Wolgograd. Stalin gilt bei vielen immer noch als Volksheld, aber dennoch käme keiner auf die Idee, irgendeinen sibirischen Maler namens Stalin ausfindig zu machen, um mit einem zusätzlichen Schild den Namen „Stalingrad“ behalten zu können. Die Weltgemeinschaft fände es wahrscheinlich unpassend, wenn man bei der Fußball-WM 2018 am Eingang der Stadt ein Schild hinhängt mit der Aufschrift: „Diese Stadt ist nicht nach Stalin dem Diktator, sondern nach Stalin dem sibirischen Bildhauer benannt.“ Man könnte argumentieren, dass im Petersweg nie eine WM stattfinden wird. So hat man aber das Wesentliche verfehlt.“
Ulrike von Streit, zurzeit Moskau
© Gmünder Tagespost 18.05.2012 21:41
1028 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.