Rentenkasse wurde zweckentfremdet

Zum Leserbrief „Altersarmut – Wann werden wir uns endlich wehren? vom 4. September:
Ich stelle fest: Beim Mauerfall 1988 wurde die Rentenkasse von der CDU/CSU und Bundeskanzler Kohl zweckentfremdet geleert und zum Wiederaufbau Ost verwendet, also vor 24 Jahren. Um sie wieder etwas zu füllen, war es erlaubt, Sonderzahlungen in die Rentenkasse zu leisten. Wenn die Rentenkasse nicht geleert worden wäre und eine normale Verzinsung erfolgt wäre mit beispielsweise zwei Prozent jährlich, dann wäre unsere Altersrente schätzungsweise um das Eineinhalbfache höher als sie es heute tatsächlich ist. Inzwischen, also seit 24 Jahren, ist meine Rente am 1. Juli 2011 um genau 17 Euro erhöht worden, und 2012 um 38 Euro und das bei einer Inflationsrate von mehr als zwei Prozent.
Und noch etwas. Um sicher zu sein, ob ich alle Vorgänge richtig erkannt habe, rief ich bei der Deutschen Rentenversicherung in Aalen an, die aber jegliche Auskunft verweigerte. Fazit: Statt einer Erhöhung um etwa das 1,5-fache, also 150 Prozent, hat sich meine Rente seit 24 Jahren gerade mal um 3,1 Prozent erhöht, und das bei einer jährlichen Inflationsrate von über zwei Prozent! Wir armen Rentner, ich bin jetzt 83 Jahre alt, haben einfach keine Lobby. Ob ich, wie es in dem Leserbrief heißt, ab 2030 auch zum Sozialamt muss? Wenn das so weitergeht, bleibt mir dieser Weg nicht erspart. Heinrich Stöckle, Ellwangen
© Gmünder Tagespost 12.09.2012 17:00
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Kommentare

Frieder Kohler

Lieber Herr Stöckle und andere Betroffene, wie heißt es doch so schön:"Wer schweigt, macht sich mitschuldig!" Machen Sie sich doch die Mühe, plündern Sie die Archive Ihrer (Tages-)Zeitung und erkennen so die Sprache (Ver-Sprechen!) der PolitikerInnen und messen Sie diese mit den Ergebnissen! Beispiele: Die Renten sind sicher, blühende Landschaften im Osten (Portokasse!), Gleichheit vor dem Gesetz (Frauen, Behinderte, Asylanten, Lesben und Schwule u.v.a.m.) oder Würde von Arbeitnehmern (Zeitarbeit und Mindestlohn). Wie konnte es nur dazukommen, daß die Schere Arm - Reich immer weiter auseinander klaffte, daß die Armuts- und damit Bildungsberichte zu keiner Veränderung des (Wahl-)Verhaltens führte? Fehlte hier nur das "Stöckle"? Wo blieb/bleibt "Empört und Wehrt Euch"? Nehmen Sie Ihre Wahlkreisabgeordneten in die Zange und verlangen Sie Antworten auf klare Fragen nach dem Motto:

"Wir zahlen mit dem Leben oder mit dem Tod. Die Währung bleibt die gleiche"(S.J.Lec)