„Nicht sofort Hosianna singen“

Zu „Den Gemeinderat in die Wüste schicken“ von Jürgen Muck, SchwäPo 21. Dezember:
Ich kann nur jedem empfehlen, die Haushaltsreden der Fraktion unter www.aalen.de nachzulesen, um sich selbst einen Eindruck davon zu verschaffen, ob das von Herrn Muck gezeichnete Bild des Gemeinderats richtig ist.
Unser neuer Oberbürgermeister hat sich mit enorm viel Energie und Kraft in kürzerster Zeit sehr gut in die Aalener Kommunalpolitik eingearbeitet, liegengebliebene Aufgaben erledigt und Weichen richtig gestellt. Davor habe ich größten Respekt. Dennoch gibt es in der einen oder anderen Sache naturgemäß zwischen OB und Rat unterschiedliche Meinungen. Darüber in durchaus auch lebendigen Debatten mit dem gemeinsamen Ziel zu streiten, die beste Lösung für Aalen zu erreichen, dafür sind beide Organe der Stadt gewählt. So nehmen wir Gemeinderäte, bis auf ganz wenige Ausnahmen, unser Amt auch wahr.
Nicht Aufgabe des Gemeinderats ist es, bei jeder Idee des Oberbürgermeisters umgehend in Verzückung zu verfallen, zu jubeln und Hosianna zu singen, nicht einmal in der Vorweihnachtszeit. Auch lohnt es sich, bei aller Turbokraft, vor der einen oder anderen Entscheidung zweimal auf die Sache zu schauen, bevor man sie entscheidet, nicht zuletzt unter finanziellen Gesichtspunkten.
Unabhängig von der Frage wie der derzeitige Gemeinderat arbeitet, tut ihm eine Blutauffrischung nächstes Jahr aber allemal gut. Hier ist jede Bürgerin und jeder Bürger gefordert. Mein Wunsch: Wir brauchen mehr jüngere Menschen im Rat. Michael Fleischer, Aalen
© Gmünder Tagespost 27.12.2013 21:46
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In einem Punkt sind wir uns sicher einig, der Gemeinderat sollte es tunlichst unterlassen zu frohlocken, da würde ich mich als Musiker unter Umständen persönlich angegriffen fühlen.

Als mehr oder weniger regelmäßiger Besucher der Gemeinderatssitzungen bin ich mit der Arbeitsweise des Gemeinderates vertraut. Meine Meinung ist also durchaus fundiert. In der Amtszeit von Alt-OB Gerlach, sowie auch jetzt zu Beginn der Amtszeit von OB Rentschler ist Aalen geprägt von Blockade und Stillstand. Brachliegende Gebäuderuinen, unzureichende Gebäude für Großveranstaltungen, heruntergekommenes Bahnhofsviertel, Absage von öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen (Elton John), nicht zweitligataugliches Stadion, vom Gemeinderat unterstütztes Neidgebahren gegenüber dem Aushängeschild und wichtigen Wirtschaftfaktor VfR.

Um es auf den Punkt zu bringen: Aalen ist mitnichten das immer wieder tantrahaft wiederholte Oberzentrum, sondern ein Provinzkaff am äußersten Zipfel der Metropolregion Stuttgart. Jedenfalls präsentiert sich die Stadt genauso. Wie es geht zeigen unsere kleineren Nachbarstädte Schwäbisch Gmünd und Heidenheim, die mit ähnlichen (finanziellen) Voraussetzungen Aalen längst weit hinter sich gelassen haben.