„Schlechtgemacht“

Zur Konzertkritik Uriah Heep auf der Kapfenburg vom 1. August:
Ich weiß ja nicht, auf welchem Konzert der Autor des Artikels gewesen ist, aber nicht nur ich als jahrzehntelanger treuer Fan, habe eine komplett andere Erinnerung an den Auftritt von Uriah Heep. Auch Menschen, die nur ein paar Songs der Band kannten und zum ersten Mal auf einem Konzert waren, fanden den Auftritt grandios und fühlten sich bestens unterhalten. Manfred Moll pflegt die Tradition der Zeitungs-Schreiber, Uriah Heep schlecht zu machen. Schon 1970 schrieb Melissa Mills im „Rolling Stone“-Magazin, dass sie Selbstmord begehen würde, falls „diese Band es schafft.“ Dieses Verhältnis zur Presse hat Uriah Heep sogar in „Can’t keep a good band down“ auf ihrem 1976er-Album „High And Mighty“ thematisiert.
Uriah Heep steht immer noch voll im Musikgeschäft, hat 2014 mit „Outsider“ ein von der Musikszene äußert positiv, fast schon euphorisch, gelobtes Album auf den Markt gebracht. Wer also erwartet hat, dass Mick Box und seine Kumpanen hauptsächlich die Songs von vor 40 Jahren herunter spielen, war fehl am Platz. Uriah Heep von 2014 ist nämlich keine Cover-Band von Uriah Heep aus den 70ern. Es gab auf der Kapfenburg eine gute Mischung aus Klassikern und Neuem. Herzlich lachen musste ich über die Aussage, dass Mick Box mit „selbstverliebten Gesten“ um Beifall heischt. Wer sich nur ein bisschen mit der Bandgeschichte auskennt weiß, dass Mick Box, seit fast einem halben Jahrhundert ein Weltklasse-Gitarrist, immer „wie ein Pferd“ für diese Band geackert hat. Er muss keinem beweisen, dass er Gitarre spielen kann. Ich hatte das Vergnügen, direkt vor dem Konzert mit Mick Box zu sprechen, übrigens nicht zum ersten Mal. Er ist unglaublich sympathisch, umgänglich und hat keinerlei Star-Allüren. Die kleine Marotte, bei einhändigen Soli seine Gitarren mit der freien Hand „zu beschwören“, pflegt er seit vielen Jahren und ist kein Zeichen von Arroganz, sondern von purer Spielfreude.
Gerald Marek, Ellwangen
© Gmünder Tagespost 05.08.2014 20:52
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