Strickaktion auf dem Marktplatz nicht nachvollziehbar

Zur Verhüllung des Mahnmals (Tagespost vom 2. August):
Sehr geehrter Herr Traub, vielen Dank für Ihre fundierte Kritik an der Verhüllung des Fehrleschen Ehrenmals auf dem Marktplatz zum Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Ich hatte mich nach Bekanntwerden des Vorhabens im vergangenen Herbst entsetzt schriftlich an den Herrn Oberbürgermeister gewandt. Meine Argumente (unter anderem): „Das Leid des Krieges, die falsch vermittelten Werte von Nationalstolz, Vaterlandsliebe, Ehre, Macht durch Gestricktes als Symbol (ja, wofür eigentlich?) decouvrieren zu wollen, ist nicht nachvollziehbar und wird womöglich, vermutlich, sicher, zum bloßen ‚Event’. Ist das vertretbar?“ In einem persönlichen Gespräch versuchte Herr Arnold mich von den besten Absichten und dem guten Weg zu überzeugen (unter anderem Bürgerbeteiligung in Strick-/Diskussionskreisen), vergeblich. Ich halte das Ganze für einen dem Problemkreis „Krieg“ nicht gerecht werdenden Gag.
Wie viel Streben nach „Profilierung“ mag bei den Beteiligten mitgespielt haben? (. . .) Nimmt man das alles in Gmünd einfach so hin? Warum gibt es nicht weiteren Protest? Ein Zweites: Nach dem Bericht der Tagespost vom 31. Juli sollen die gestrickten Decken nach Beendigung der Aktion (14. September) über eine Waldstetter Organisation an ein afrikanisches Krankenhaus weitergegeben werden. Was soll das: Sechs Wochen sind sie ungeschützt Sonne, Sturm und Regen ausgesetzt und dann will man sie weiterverschenken! Da denke ich an ein Gedicht von J. Ringelnatz über das richtige Schenken. Darin heißt es: Vers 1: Schenke groß oder klein, aber immer gediegen. Wenn die Bedachten die Gaben wiegen, sei dein Gewissen rein. Vers 3: Schenke mit Geist ohne List, sei eingedenk, dass dein Geschenk du selber bist.
Gertrud Dembowski, Schwäbisch Gmünd
© Gmünder Tagespost 05.08.2014 21:38
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