Hier schreiben die Minireporter

Interview mit Ferdos Ferudastan, Sprecherin des Bundespräsidenten

  • Die Sprecherin des Bundespräsidenten, Ferdos Ferudastan

Eigentlich sollten die Minireporter mit dem Bundespräsidenten höchstpersönlich sprechen. Aber dann gab es Terminprobleme, Joachim Gauck war in Kanada, als die Minireporter in Berlin waren. Die Sprecherin des Bundespräsidenten empfing die Minireporter im Bundespräsidialamt direkt neben dem Amtssitz des Bundespräsidenten, dem Schloß Bellevue. Ferdos Ferudastan beeindruckt nicht nur die Minireporter, auch der Aalener Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter nahm an dem anderthalbstündigen Treffen teil. Das Interview aufgeschrieben haben die Minireporterinnen Selina Schwarz und Laura Neumaier.

Wie und wo erfahren Sie die Meinung, die Einstellung des Bundespräsidenten zu all den Themen, zu den Sie nun wiederum der Presse Auskunft geben sollen?

Da gibt es unterschiedliche Orte kann. Ich ganz persönlich habe einmal in der Woche eine Rücksprache unter vier Augen mit dem Bundespräsidenten. Die dauert zwischen einer und eineinhalb Stunden. Manchmal fällt sie aber auch aus, weil die Woche zu voll ist. Dann holt man die Besprechung bei anderer Gelegenheit nach.

Kennen Sie die Reden des Bundespräsidenten schon vorher?

Ja, ich bekomme alle Reden des Bundespräsidenten vorher, aber ich schaff es nicht immer, alle zu lesen, da er im Jahr 160 bis 170 Reden hält.
Was passiert, wenn Sie oder einer ihrer Kollegen sich gegenüber der Presse mal verplappert?
Dann ärgern wir uns über uns.

Und wie ärgert sich der Bundespräsident?

Das ist noch nicht vorgekommen. Wir haben uns noch nicht verplappert.

Wie sind Sie darauf gekommen, dass Sie Journalistin werden wollen?

Mein Vater behauptet, weil ich so eine Besserwisserin bin. Und weil Journalisten den Leuten immer erklären wollen, wie es wirklich Läuft. Ich wollte eigentlich, als ich in der Elften, Zwölften war, Lehrerin für Französisch und Geschichte werden. Dann war aber der Notendurchschnitt, der damals gefordert war, in Französisch bei 1,1 und bei Geschichte bei 1,2. Das hatte ich aber nicht und hätte ein halbes Jahr warten müssen. Und da hab ich mir überlegt, was mich auch immer interessiert hat. Da ich immer sehr viel und gern gelesen und geschrieben habe, hab' ich gedacht, dann mach ich mal ein Praktikum bei der Zeitung. Das hat mir in den ersten Tagen schon so gut gefallen, dass ich den Plan, Lehrerin zu werden, sofort über Bord warf und gedacht habe, ich werde Journalistin.

Beraten Sie den Bundespräsidenten auch und sagen Sie Ihre Meinung, wenn Sie seine Entscheidung nicht so gut finden?

Ja. Manchmal streiten wir uns dann. Es ist ein großes Wort zu sagen, er hört darauf. Es geht nicht nur um die Meinung des Bundespräsidenten, sondern wie wirkt es in der Öffentlichkeit, wenn er etwas tut oder sagt. Wir versuchen, unsere Meinung dem Bundespräsidenten schonend zu vermitteln.

Wie ist Ihre Beziehung zum Bundespräsident? Sind sie so etwas wie Freunde?

"Freund" ist ein sehr großes Wort. Ich finde zu Freundschaft gehört, dass man auch privat ein sehr enges Verhältnis hat. Wir beide trennen das natürlich, aber wenn man das Wort Freund weglässt und nach Vertrauen fragt, dann würde ich das schon bestätigen. Er ist ein freundlicher und höflicher Mensch. Er kann gut Zuhören und ist interessiert.
Der Bundespräsident äußert sich immer sehr politisch. Verteidigen Sie ihn, wenn er kritisiert wird?
Was ich nie mache: Wenn jemand etwas Kritisches über Gauck schreibt, dort anzurufen und zu fragen, warum das geschrieben wurde. Ich rufe nur an, wenn jemand etwas objektiv Falsches berichtet. Oder wenn ich etwas im Vertrauen gesagt habe und es wird trotzdem veröffentlicht; dann rufe ich an und sage das. Ansonsten finde ich, sind wir ein freies Land und jeder hat das Recht den Bundespräsidenten zu kritisieren.

Was war ihr schönstes Erlebnis bis jetzt mit dem Bundespräsidenten?

Es gab eine Reihe von Terminen, die ich sehr eindrucksvoll fand. Er hat versucht in einer Reihe von Ländern, die von Nazis angegriffen wurden und sehr gequält wurden, zu gedenken. Das war schon sehr bewegend. Aber das kann man nicht als schöne Momente bezeichnen. Einen Moment, den ich auch sehr bewegend fand, war ein paar Monate. nachdem er ins Amt gekommen ist, in einem Flüchtlingslager in Berlin. Dort hatte er sehr lange intensive Gespräche mit den Flüchtlingen und das hat er sehr liebevoll gemacht. Das fand ich besonders.

© Minireporter 19.10.2014 13:02
2133 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.