Lutz Kiesewetters Entgleisung

Zum Rücktritt von Lutz Kiesewetter als JU-Bezirksvorsitzender:Nachdem es einen Mitschnitt von Lutz Kiesewetters rechtsradikaler Gesangseinlagen gegeben haben soll, war sein Rücktritt als Bezirksvorsitzender der Jungen Union Nordwürttemberg nicht heroisch, verantwortungsbewusst oder konsequent, sondern lediglich unvermeidlich. Ich frage mich, wie oft muss man ein Lied singen, um die Melodie und den Text auswendig zu können? Wer hat ihm diese Nazi-Lieder beigebracht? Wer hat mit ihm zusammen diese rechtsradikalen Lieder gesungen? Wie kommt ein 22-jähriger Mann, der sich in der Jugendorganisation der CDU engagiert, dazu? Die Aussage des Vorsitzenden der Aalener Jungen Union Samuel Gall „Nie zuvor sei Kiesewetter in der Öffentlichkeit oder in Sitzungen mit rechtsradikalen Äußerungen aufgefallen“ zeugt im besten Fall von Unkenntnis oder im schlechtesten Fall von Verleugnung. Bei der Bundestagswahl 2013 trat Lutz Kiesewetter beim Wahlkampf seines Vaters, des Bundestagsabgeordneten der CDU Roderich Kiesewetter, vor dem Aalener Bahnhof als Kreisvorsitzender der Jungen Union auf. In seiner Rede hetzte er die Anwesenden auf, „die grüne Pest auszurotten“. Das ist eindeutiges Vokabular aus der Nazi-Zeit. Roderich Kiesewetter, sein Vater und Bundestagskandidat der CDU, stand daneben und hat nichts gesagt und nicht eingegriffen. „Wehret den Anfängen“ sollte man nicht nur in der Gesellschaft, sondern erst recht in der eigenen Familie beherzigen. Er hätte seinem Sohn einen großen Gefallen damit getan, wie man durch die erneute rechtsradikale Entgleisung sieht. Ingrid Gottstein, Bopfingen
© Gmünder Tagespost 25.11.2014 15:16
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Kommentare

Frieder Kohler

Volltreffer Frau Gottstein:..." zeugt im besten Fall von Unkenntnis oder im schlechtesten Fall von Verleugnung!" Für die LeserInnen Ihres (Hintergrund-)Kommentars ergänze ich (Lernen durch Wiederholung) den folgenden (I.) Wetterbericht mit Aussagen des JU Kreisverbandes:

"Die Junge Union Ostalb ist mit fast 750 Mitgliedern die stärkste politische Jugendorganisation im Kreis und der mitgliederstärkste Kreisverband in Baden-Württemberg. Wir bringen uns in die politische Arbeit unseres Landkreises ein und verschaffen den Interessen der jungen Generation Gehör. Bei uns werden die Ideen von morgen diskutiert und umgesetzt!

Und nun zum "Sündenfall" der Beteiligten -

Auszug Berichte/Presse JU vom 16.11.2014, 18:00 Uhr :

"Die Junge Union (JU) Bezirksverband Nordwürttemberg wählte am vergangenen Wochenende in Denkendorf (Landkreis Esslingen) einen neuen Vorstand. Die knapp 150 Delegierten aus 12 Kreisverbänden, die über 3.800 Mitglieder zwischen 16 und 35 Jahren umfassen, bestätigten dabei den amtierenden Bezirksvorsitzenden Lutz Kiesewetter (Kreisverband Ostalb) im Amt."

Außerdem wurde das neue Grundsatzprogramm „Kompass 2020“ beschlossen. Kiesewetter betonte bei der Antragsberatung: „Uns geht es beim Kompass 2020 darum, zu überlegen: Warum bin ich in der JU? Wofür steht die JU? Was ist das Menschenbild der JU?“ Das Papier solle die fundamentalen Werte und Überzeugungen der Jungen Union darstellen, so Kieswetter.

Die Darstellung ist so treffend in die Praxis umgesetzt worden, daß die Medien landesweit berichteten. Auch die SchwäPo berichtete in http://www.schwaebische-post.de/772758 "Rücktritt wegen Nazi-Parolen" (Sie lesen meinen Kurzkommentar?) und in http://www.schwaebische-post.de/772598/ "Lutz Kiesewetter tritt nach rechtsextremen Äußerungen zurück". Dieser Artikel wurde bis jetzt von 7476 Lesern "angeklickt". Ob er auch gelesen wurde, läßt sich durch das ausbleibende "Donnerwetter - Kiesewetter" nur mit dem Kompass 2020 feststellen!