Erinnerung an die Gmünder Juden

Andrea Kastner über die von ihr entworfene Treppe ins Leere – Denkmal für abgerissene Synagoge
  • Eine Treppe, die ins Leere läuft, soll an das Unrecht erinnern, das der jüdischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd während der Herrschaft des NS-Regimes widerfahren ist. Die Treppe ist ein Entwurf von HfG-Studentin Andrea Kastner. (Foto: privat)
  • Hat das Denkmal für die Synagoge in Schwäbisch Gmünd entworfen: HfG-Studentin Andrea Kastner aus Gmünd. (Foto: privat)
Das Schwäbisch Gmünd der NS-Zeit hat seiner jüdischen Bevölkerung großes Leid zugefügt. Menschen wurden deportiert, Geschäfte demoliert, Synagogen geschändet. An diese Gräultaten soll ab Frühjahr eine Treppe am Kroatensteg erinnern. Sie führt ins Nichts.Schwäbisch Gmünd. Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938: Zwischen 2 und 3 Uhr zerschlägt ein Trupp Nationalsozialisten die Fenster der Gebäude, die zur Synagoge in Schwäbisch Gmünd gehören. Sie zwingen die dort lebende Hausmeisterin, den Schlüssel für die Gebetsräume herauszugeben. So wird sie es Jahre später vor Gericht erzählen. Die Nationalsozialisten verwüsten das Innere des jüdischen Gotteshauses, schlagen alles kurz und klein, werfen siebenarmige Leuchter um, reißen den Davidstern auf dem Dach herunter. 1939 wird das Gebäude an die Kreissparkasse verkauft, diese lässt es 1954 abreißen.
Seit 1979 erinnert eine Gedenktafel in der Schalterhalle der Kreissparkasse an die Gräultaten, die den Gmünder Juden angetan wurden. Bereits vor zwei Jahren ist der Gedanke entstanden, mehr zu tun, mehr zur Erinnerungskultur beizutragen. Deshalb wurde der Wettbewerb „Ein Zeichen der Erinnerung – die Synagoge in Schwäbisch Gmünd“ ins Leben gerufen. Ein Denkmal für das abgerissene Gotteshaus sollte her.
Die Ausschreibung hat Andrea Kastner für sich entschieden. Die 28-jährige Gmünderin studiert Kommunikationsgestaltung an der Hochschule für Gestaltung und hat eine Ausbildung zur Grafikgestalterin hinter sich. Ihr Entwurf ist ebenso simpel wie aussagekräftig: „Es handelt sich um einen Nachbau der damaligen Zugangstreppe zur Synagoge“, erläutert Kastner. „Das macht das Denkmal auch so einzigartig, unterscheidet es von anderen. Diese Treppe gab es nur in Gmünd.“ Dieser Bezug auf die Stadt sei ihr besonders wichtig gewesen, erzählt Kastner.
Ein weiterer, wichtiger Aspekt sei die Tatsache, dass die Zugangstreppe der einzige Gebäudeteil war, der bewusst für die Synagoge gebaut wurde – die Synagoge selbst war ein ehemaliges Fabrikgebäude, das die jüdische Gemeinde zu einem Gebetshaus umgebaut hatte. Infotafeln, die am Treppenaufgang angebracht werden sollen, erinnern und informieren über die Geschichte der Juden in Gmünd. So könne auch ihre Generation der 20- bis 30-Jährigen etwas mit dem Denkmal anfangen, sagt Kastner. Wer die Treppe hinaufläuft, liest auch die Namen der letzten Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Gmünd. Oben angekommen steht er vor dem Nichts.
Auch Dr. Christof Morawitz, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Ostalb, gefällt Kastners Entwurf. „Das ist ein gutes, weil verstehbares Zeichen der Erinnerung“, sagt er. „Jeder kann damit etwas anfangen. Die HfG sei gerade an der detaillierten Planung, erst dann lasse sich sagen, wann und wo genau das Denkmal stehen soll. Wahrscheinlich komme es jedoch neben Kroatensteg und Josefsbach, nahe des Sparkassengebäudes. Morawitz glaubt, dass das Denkmal bereits 2015 stehen wird.
© Gmünder Tagespost 23.01.2015 18:42
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