Re-Commerce: Gebrauchtwaren als Online-Trend

Gebrauchtes liegt derzeit voll im Trend: Was früher hauptsächlich ein Thema für Familien mit knappen Finanzen war, entwickelt sich seit einiger Zeit immer weiter zur massentauglichen Alternative für die gleichgültige Konsumgesellschaft. Mit Begeisterung kaufen und verkaufen die Deutschen gebrauchte Bücher, Kleidungsstücke, Smartphones und vieles mehr im Internet.

Verkaufen statt wegwerfen

Wohin mit all den gebrauchten Handys und ausgelesenen Büchern, die zu Hause die Regale und Schubladen verstopfen? Mit dieser Frage plagt sich früher oder später wohl jeder einmal. Zum Wegwerfen sind sie oft noch viel zu gut, aber wer schon einmal seine gebrauchten Sachen auf dem Flohmarkt, auf eBay oder über eine Kleinanzeige angeboten hat, weiß um die viele Arbeit, die in so eine Aktion fließen kann — und lässt es dann häufig ganz bleiben oder entsorgt gut erhaltene Dinge aus Verzweiflung womöglich trotzdem. Das steht natürlich im krassen Gegensatz zu dem Wunsch nach einem bewussteren und nachhaltigeren Lebensstil, der in Deutschland inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Genau in diese Nische fällt das Geschäftsmodell, das durch den 2006 in Berlin gegründeten Ankaufsservice momox.de in Deutschland populär wurde und mittlerweile von zahlreichen weiteren Unternehmen in den verschiedensten Varianten aufgegriffen wurde. Jeder, egal ob Privatperson oder Händler, findet bei diesen Anbietern eine schnelle und bequeme Lösung für überquellende Regale und volle Abstellräume. Statt den Verkauf selbst mühevoll zu organisieren können die Kunden beim Online-Gebrauchtwarenhändler eine bunte Auswahl an Produkten direkt zum Festpreis ankaufen lassen. Je nach Anbieter ist das nachgefragte Sortiment sehr unterschiedlich in Art und Größe. Die besten Chancen hat man online mit gebrauchten Büchern, Spielen und Markenkleidung, da die Ankäufer diese am erfolgreichsten weiterverkaufen können und deshalb verstärkt suchen. Und auch diverse Elektrogeräte werden gerne abgenommen und gut bezahlt, egal ob es sich um Navigationsgeräte, Spielekonsolen oder alte Handys handelt.

Gerade in den letzten Jahren kommen immer neue Unternehmen dazu und die Re-Commerce Branche wächst rasant weiter: Mehr als 50 solcher Online-Händler gibt es inzwischen in Deutschland. Als Kunde profitiert man erst so richtig von diesem Trend, wenn man vor dem Verkauf einen Preisvergleich benutzt — denn mit der steigenden Zahl an Anbietern gehen auch immer mehr Preissuchmaschinen speziell für eben diese Ankaufsdienste an den Start. Sie vergleichen zahlreiche Ankaufspreise für jeden Artikel, den man dort eintippt, und ermitteln automatisch das beste Angebot. Einfacher kann man seine gebrauchten Schätze heutzutage wohl kaum zu Geld machen.

Online-Shopping beim Gebrauchtwarenhändler

Der Ankauf von Gebrauchtwaren ist allerdings nur die erste Hälfte des populären Geschäftsmodells. Die zweite Hälfte ist der Wiederverkauf. Die Händler überprüfen die Waren, die bei ihnen eingehen, und sortieren stark Abgenutztes oder gar Defektes sofort aus. Dann wird geprüft, ob die Artikel noch einwandfrei weiter verwendbar sind. Kleine Mängel werden nach Möglichkeit beseitigt und bei technischen Geräten wird der Auslieferungszustand wiederhergestellt. Erst dann verkauft der Händler die gebrauchten Stücke weiter.

Als Kunde darf man sich auf voll funktionsfähige und häufig sogar wie komplett neu aussehende Ware freuen, die nur noch einen Bruchteil des Neupreises kostet. Dabei müssen insbesondere Handys und Unterhaltungselektronik noch nicht einmal besonders alt sein, um günstig gebraucht angeboten zu werden: Dank der rasanten Innovationen im technischen Bereich gibt es zum Beispiel genug Leute, die regelmäßig ihre nur kurze Zeit genutzten Tablets und Smartphones verkaufen und durch neuere Produkte ersetzen. Der Gebrauchtwarenmarkt wird so laufend mit hochwertigem Nachschub versorgt.

Und auch für die Umwelt ist das ein echter Gewinn, denn jedes Produkt, das nicht neu hergestellt werden muss, spart Energie, schont natürliche Ressourcen und verringert die CO2-Belastung erheblich. Wer umweltbewusst leben möchte und trotzdem nicht auf moderne Technik und gute Unterhaltung verzichten möchte, findet in der vielschichtigen Welt des Re-Commerce einen sinnvollen Mittelweg, der ganz nebenbei auch noch bares Geld spart.

 

© Gmünder Tagespost 10.02.2015 08:09
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