Ein Kleinod am Kreisverkehr

Der Kerker ist das „kleine Salvatorle“ im Gmünder Stadtteil – Ehrenamtliche kümmern sich um die Pflege der Kapelle
  • Der Kerker ist eine Kapelle nahe des kleinen Kreisverkehrs. (Foto: jan)
Am 23. November 2014 traf sich eine große Anzahl an Gläubigen beim Kerker in Herlikofen. Ortsvorsteher Celestino Piazza nannte das christliche Kleinod, dessen 250-jähriges Bestehen an diesem Tag gefeiert wurde, das „kleine Salvatorle“ von Herlikofen. Das Ehepaar Gold kümmert sich ehrenamtlich um die Kapelle.Schwäbisch Gmünd-Herlikofen. Der Kerker ist eine kleine Kapelle, die etwas zurück versetzt auf einem Grundstück nahe des kleinen Kreisverkehrs postiert ist. Es wirkt wie ein christliches Kleinod, das zur Ruhepause in dieser hektischen Zeit auffordert. Das christliche Bauwerk wurde 1794 erschaffen. 1931 gesellte sich ein dreiseitiger Chor hinzu. In diesem blickt der Betrachter auf eine barocke Figur. Sie stellt den Kerkerheiland dar. Eine Holzfigur, die wohl laut dem Werk „Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg“, erschienen im Deutschen Kunstverlag, aus dem Jahr 1764 stammt. Sie zeigt den Schulterwunden-Christus oder Kerkerheiland kniend mit gefesselten Händen. Er trägt ein blaues Kleid und einen schwarzen Gürtel. Eine drastische Schulterwunde zeigt sich.
Die Kapelle selbst wurde aus Sandsteinquadern errichtet und mit hohem, gekehltem Steintraufgesims ausgestattet. Die Eingangsseite präsentiert sich mit Gliederung und Giebel. Das eingetragene Kulturdenkmal steht anstelle eines früheren Wachturms im damaligen Verlauf des rätischen Limes. Bereits 1455 wurden benachbarte Flure „beim Keppelin“ benannt. Was einen Vorgängerbau vermuten lässt.

Kerkerprozession und Marsch an Fronleichnam
Bis zum Jahr 1971 wurde in Herlikofen eine sogenannte „Kerkerprozession“ zur Erhaltung der Feldfrüchte abgehalten. Und auch heute noch wird bei der Fronleichnamsprozession an der kleinen Kapelle Station gemacht. Hier sei erwähnt, dass sich Herliköfer Familien jeweils um den Fronleichnamsflor kümmern. Doch auch unterm Jahr präsentiert sich die Kapelle blitzblank und ordentlich. Kein Moos verirrt sich in die Ritzen und Fugen der Treppenstufen. Büsche und Efeubewuchs haben keine Chance, in den Aufgang hineinzuwachsen. Dies geschieht nicht von Zauberhand.
Das Ehepaar Karin und Franz Gold kümmert sich darum, dass das Kleinod auch seinen Namen verdient. „Jeden Samstag etwa eine Viertelstunde“, schätzt Franz Gold den zeitlichen Aufwand. Er ist im Haus gegenüber aufgewachsen und hat daher von Kindesbeinen an eine Bindung an den Kerker. „Das ist kein Aufwand für mich“, macht er deutlich, dass es für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, sich um die Optik zu kümmern. Gattin Karin sieht nach dem Inneren des Kerkers. Auch hier herrscht Sauberkeit und eine schöne Optik. Ortsvorsteher Piazza hob nicht umsonst das ehrenamtliche Engagement der Familie Gold und der drei übrigen Familien hervor, die dafür Sorge tragen, dass der Kerker tatsächlich als Kleinod besticht.
© Gmünder Tagespost 06.05.2015 20:27
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.