Ehrung für Matthias Erzberger in Gmünd?

Zu Reichs-Vize-Kanzler Matthias Erzberger, dessen Geburtstag sich zum 140. Mal jährt:

„Am Sonntag, 20 September, jährt sich zum 140. Mal der Geburtstag des ehemaligen Reichs-Vize-Kanzlers Matthias Erzberger. Er stammte aus einfachsten Verhältnissen und wuchs in Buttenhausen/Münsingen auf der Schwäbischen Alb auf. Er besuchte die Präparandenanstalt Gmünd (in der Nähe des Franziskaner), um sich auf das Lehrerseminar Saulgau vorzubereiten. Nach der Tätigkeit als Volksschullehrer, unter anderem in Göppingen, wurde der Redakteur beim Deutschen Volksblatt in Stuttgart.
Mein Vater hatte diese Zeitung abonniert. Er war beteiligt an der Gründung katholischer Arbeitervereine und christlicher Gewerkschaften. Als Mitglied der Zentrumspartei und Reichstagsabgeordneter kritisierte er zusammen mit dem Abgeordneten Karl Liebknecht als einziger die passive Haltung Deutschlands zum türkischen Verbündeten, gegen Völkermord an den Armeniern, den Aramäern und die Verfolgung der Griechen. Er unterzeichnete den Waffenstillstand 1918 – auf Wunsch Paul von Hindenburgs. Als Reichsfinanzminister schuf er die Grundlage unseres heutigen Steuersystems (Zentralisierung der Steuereinnahmen, stärkere Belastung größerer Vermögen). Seine Befürwortung des Versailler Vertrags machte ihn noch mehr zur Zielscheibe rechtsextremer Kreise, zwei ehemalige Marineoffiziere erschossen ihn 1921 im Schwarzwald. Vor fünf Jahren machte ich den Vorschlag, Erzberger in irgendeiner Form in Gmünd zu ehren. Nichts hat sich bis jetzt getan. Die Franz-von Konrad-Straße in Matthias-Erzberg-Straße umzubenennen wäre so eine Idee. Beide, Konrad und Erzberger, waren Mitglieder der Zentrums-Partei. Während Konrad NSDAP- und SA-Mitglied werde, wäre Erzberger, bei der Einstellung, die er zeigte, das nicht geworden.“
Franz Merkle
Schwäbisch Gmünd
© Gmünder Tagespost 16.09.2015 16:36
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