Trotz Demenz dazugehören

Neue Gmünder Broschüre gibt Rat für Alzheimer-Patienten und Angehörige
Die „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ hat die Erfahrungen ihrer Projektzeit in einer Broschüre zusammengefasst. Der „Wegweiser Demenz – Leben mit Demenz in Schwäbisch Gmünd und Umgebung. Wo finde ich Hilfe?“ gibt Betroffenen und Angehörigen Rat. Am Montag wurde er in der Volkshochschule vorgestellt
Schwäbisch Gmünd. Mit dem provokanten Titel „Demenz-Hilfe auf Abwegen“ weckte Peter Wissmann das Interesse seiner Zuhörer in der Gmünder VHS, denn der Geschäftsführer und wissenschaftliche Leiter von „Demenz Support Stuttgart GmbH“ hat einen etwas anderen Blick auf Menschen mit Demenz. Der Umgang mit dieser Krankheit haben eine gravierende Veränderung erfahren. Als in den 70er-Jahren die Diskussion zu diesem Krankheitsbild aufkam, haben sich nur Mediziner damit beschäftigt. Das habe sich geändert, als sich Angehörige in Selbsthilfegruppen organisierten. Aus England kam der Anstoß. Nicht Defizite allein sollten im Fokus stehen, sondern „wir müssen mehr auf den Menschen schauen“.
Der an Alzheimer erkrankte Psychologe Robert Taylor hat ein Buch über seine Krankheit verfasst, darin eindringliche Passagen, die Gabriele Ditsche vorlas. Es ist kein akademisches Werk, sondern berichtet von Taylors Alltag als Demenzkranker. „An manchen Tagen fühle ich mich wie ein Fremder in der Fremde. Meine Angehörigen haben Angst vor dem Morgen. Ich lebe das Heute.“ Er appelliert an die Gesellschaft, „auch wenn ich an Demenz erkrankt bin, bin ich noch ein eigenständiger Mensch“. Das werde dem Erkrankten oftmals abgesprochen. Taylor beschreibt, wie der Friseur seinen Bruder fragt, ob Taylors Haarschnitt in Ordnung sei. Bevor der Friseur wusste, er dement ist, hatte er ganz normal mit ihm gesprochen.
Wissmann forderte ebenfalls einen Wandel: Keine Sonderveranstaltungen in Sport und Kultur speziell für Demenzkranke, sondern für alle gemeinsam. „Aber die Kranken fühlen sich doch besser, wenn sie nicht ständig ihre Defizite durch die Gesunden vor Augen geführt bekommen“, sagte eine Zuhörerin. Dennoch sei es wichtig, dass die Gesellschaft lerne, mit den Erkrankten gelassen umzugehen, antwortete Wissmann. Dazu gehöre, dass Angehörige und Demenzkranke in die Diskussion und Entwicklung eingebunden werden. „Es muss ein Zusammenschluss aller geschehen, das heißt, die gesamte Bevölkerung muss erkennen: Die gehören dazu. Sonst führt es zu Ausgrenzung und Stigmatisierung“, schloss Peter Wissmann.

Ratgeber gibt Tipps

Der „Wegweiser Demenz“ gibt unter anderem Hinweise zum positiven Umgang mit Erkrankten sowie eine Übersicht an Ärzten, Betreuungs- und Freizeitangeboten für Kranke und Angehörige. Die Broschüre gibt's kostenlos in Rathaus, Seniorentreff Spitalmühle und DRK-Stationen.
© Gmünder Tagespost 21.09.2015 20:37
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