Landkreise kritisieren Breitband-Ausbau

  • Foto: © statista.com/ infografik/ 1064
  • Foto: © FirmBee / pixabay.com
Eine schnelle Datenübertragung ist keine Bagatelle, sondern eine Notwendigkeit. Insbesondere die Wirtschaft benötigt eine zeitgemäße Internetverbindung. Deutschland hinkt im europäischen Internetausbau schwer hinterher. Während in Ländern wie Rumänien Internetuser in den Städten in den Genuss von 1-Gigabit-Verbindungen für einen Preis von unter 13 Euro kommen können, sind in Deutschland die Verbraucher glücklich, wenn sie ein Zehntel davon erhalten.

Wie in der obigen Infografik zu sehen ist, belegt Deutschland im internationalen Vergleich von Akami nur Platz 26. In den Genuss von schnellem Internet (mindestens 30 Mbit/s) kommen Daten der Europäischen Kommission zufolge (Jahr 2014) nur 5,5 Prozent der Deutschen. Der europäische Durchschnitt liegt bei 6,3 Prozent, Spitzenreiter ist Belgien (22,7 %) gefolgt von den Niederlanden (17,2 %) und Litauen (13,2 %).


Deutschland hat keine zukunftsweise Lösung für den Bandbreit-Ausbau

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt engagiert sich für das sogenannte Vectoring ein und stößt dadurch bei den Landkreisen auf Kritik. Diese wollen, dass der Staat auf Glasfaser setzt, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Das Problem: Die Regierung plant, dass bis 2018 flächendeckend eine Datenübertragungsrate von mindestens 50 Mbit/s erreicht wird. Der Lauf gegen die Zeit sorgt dafür, dass ein Kompromiss eingegangen wird, um das gesteckte Ziel zu erreichen.

Vectoring ist im Grunde eine Brückentechnologie, die die Lebenszeit bestehender Kupfernetze, deren Technologie längst an ihre Grenzen gestoßen ist, etwas verlängert. Tabea Rößner, Sprecherin für Medien, Kreativwirtschaft und Digitale Infrastruktur der Grünen, erklärt das Vectoring-Verfahren auf ihrem Blog für „rückwärtsgewandt und wettbewerbsverzerrend“.

Unter Vectoring wird im Grunde der FTTC-Ausbau (Fiber to the Curb) beschrieben. Die Glasfaserleitungen reichen lediglich bis zu den Kabelverzweigern, also den grauen Kästen auf Deutschlands Straßen. Ein kompletter Glasfaserausbau würde per FTTH (Fiber to the Home) oder FTTB (Fiber to the Building) bis vor die Haustür des Kunden erfolgen.

Laut der Telekom soll der FTTC-Ausbau die VDSL-Geschwindigkeit von derzeit 50 auf 100 Mbit/s beim Download und auf bis zu 40 Mbit/s beim Upload erhöhen.


Vectoring-Technik muss von der Bundesnetzagentur freigeschaltet werden

Der von der Telekom geplante Vectoring-Ausbau kann nicht stattfinden, bevor die Bundesnetzagentur das grüne Licht gibt. Die Forderung dazu wurde von der Telekom vor Monaten eingereicht. Die Bundesnetzagentur hat Ende August das Rechtsgutachten im besagten Verfahren veröffentlicht.

Das größte Problem wäre die Entstehung eines Monopols. Durch das Vectoring werden Wettbewerber ausgeschlossen, da sie nach dem FTTC-Ausbau nicht länger Zugriff zum Hauptverteiler haben.


Die Frage der Kosten und Konkurrenz

Einer Pressemitteilung der Telekom zufolge würde ein Glasfaserausbau per FTTH rund 80 Milliarden Euro kosten. Der Ausbau mithilfe von FFTC sei deutlich günstiger. Genau Angaben zum Preis macht das Unternehmen jedoch nicht.

Wie würde der FFTC-Ausbau die Konkurrenz betreffen? Laut der Telekom vermietet das Unternehmen insgesamt rund 9,6 Millionen normale Teilnehmeranschlussleitung. Diese wären von der Vectoring-Technik nicht betroffen. Dazu gesellen sich aber 140.000 Vorleistungsprodukte KvZ-TAL sowie 330.000 Kabelzweiger, von denen rund 8.200 von Wettbewerbern erschlossen sind.

Um die PKvZ-TAL nicht auszuschließen, müsste die Telekom mit der Aufsichtsbehörde und den Wettbewerbern eine Lösung finden. Wie diese aussehen könnte, ist derzeit nicht bekannt.


Holländer erfinden kostengünstige Glasfaser-Verlegung

Während man sich in Deutschland über die Technologie für den Breitbandausbau streitet, haben die Nachbarn aus den Niederlanden eine Alternative entwickelt, die sich Mini-Trenching nennt. Im Grunde wird das Glasfaserkabel mit einem dünnen Schlitz in den Boden verlegt, der nicht so tief ins Erdreich reicht wie bei der klassischen Verlegung. Die Technik wird in den Niederlanden seit 2010 verwendet, senkt die Kosten um ein Vielfaches und bringt Glasfaserkabel dadurch auch in ländliche Gebiete.


Wo Verbraucher heute in den Genuss von schnellem Internet kommen

Einige Verbraucher in Deutschland können bereits heute in den Genuss von schnellem Internet kommen. Das gilt insbesondere für Menschen in den großen Städten. Interessierte können auf preis24.de zum Beispiel die DSL-Verfügbarkeit prüfen und innerhalb von Sekunden erfahren, welcher ISP in ihrer Region tätig ist und welchen Tarif mit welcher Bandbreite zur Verfügung stellt. Verbraucher können sich auf diese Weise für den schnellsten Tarif entscheiden, ohne verschiedene Internetanbieter kontaktieren zu müssen.

© Gmünder Tagespost 28.09.2015 17:38
2974 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.