Zwanzig Finger ersetzen Orchester

Klavierkonzert zu vier Händen mit Iris Alber und Lennart Faustmann im Waldstetter Bürgerhaus
  • Begeisterung fürs vierhändige Klavierspiel entdeckt und ans Publikum weitergegeben: Iris Alber und Lennart Faustmann im Waldstetter Bürgerhaus. (Foto: privat)
Ein außergewöhnliches Konzert gaben Iris Alber und Lennart Faustmann im Bürgersaal der Musikschule Waldstetten. Die beiden Pianisten präsentierten sich erstmals gemeinsam als Klavierduo mit Mozarts Sonate in D-Dur (KV 381) und einer Bearbeitung für Klavier zu vier Händen von Beethovens Sinfonie Nr. 5.Waldstetten. Mit viel Leichtigkeit eröffneten die beiden Pianisten den Konzertabend vor dem vollbesetzten Saal des Bürgerhauses mit Mozarts Sonate in D-Dur. Als Kind erfand Mozart einige Sonaten für das gemeinsame Musizieren mit seiner Schwester. Jene in D-Dur ist eine seiner raffiniertesten. Grazil und elegant präsentierten Iris Alber und Lennart Faustmann den ersten Satz „Allegro“ mit fast höfischem Charakter. Im „Andante“ stellten sie große Ruhe und Schlichtheit in den Mittelpunkt. Insbesondere im dritten Satz, „Allegro molto“, griffen die Musiker augenzwinkernd den musikalischen Witz Mozarts auf.
Es folgte die Sinfonie Nr. 5 von Ludwig van Beethoven. Manch einer mag skeptisch gewesen sein, wie es wohl klingen mag, wenn ein einziges Klavier ein ganzes Orchester ersetzen soll. Doch eine gelungene Bearbeitung von Hugo Ulrich, verbunden mit einer stringenten Interpretation, ließen keinen Zweifel offen: Das große Sinfonieorchester wurde von nur 20 Fingern würdig vertreten. Auch wenn das bekannte Schicksalsmotiv im ersten Satz „Allegro von brio“ anfänglich nicht ganz synchron erklang, überzeugte die differenzierte Gestaltung des bedeutenden Werkes. Eindrucksvoll bauten die beiden Musiker Spannung auf, die sich am Ende des ersten Satzes nach einer fast verzweifelt klingenden Wiederholung des Hauptthemas kraftvoll entlud. Im langsamen „Andante con moto“ zeigte das Arrangement gewisse Schwächen, da das Klavier den Farbenreichtum eines großen Orchesters nicht erreichen kann. Dennoch gelang es den Pianisten mit nahezu romantischen Anklängen, jedoch durch Schlichtheit bestechend, eine beinahe elektrisierende Atmosphäre zu schaffen. Der dritte Satz zeichnete sich durch das Wechselspiel von Leichtigkeit und fanfarenartiger Brillanz aus. Auch die technisch anspruchsvollen polyphonen Passagen boten die beiden überzeugend dar.
Eine ganz neue Facette entlockte das Duo dem Flügel am Ende des dritten Satzes. Fast magisch anmutend, bäumten sich die Klänge langsam auf und mündeten ins festliche Finale.
Auffallend, wie eingespielt das Klavierduo bei seinem Debütkonzert agierte. Ein spontaner Bravoruf nach Verklingen des Schlusstons und lang anhaltender Applaus bestätigte den Pianisten, dass sich ihre Spielfreude auf das Publikum übertragen hatte. Als Zugabe gaben sie den Slawischen Tanz Nr. 8 von Antonin Dvorak zum Besten. Iris Alber unterrichtet seit 2003 an der Musikschule Waldstetten, Lennart Faustmann wurde 2009 ihr Schüler. Zum Abschluss seiner Ausbildung entstand die Idee eines gemeinsamen Konzertabends. So entdeckten die beiden ihre Begeisterung fürs vierhändige Klavierspiel.
© Gmünder Tagespost 06.10.2015 19:44
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