Provinz soll still sein

Zur Diskussion um den richtigen Standort des zweiten Parkhauses beim Ostalb-Klinikum:
Ausgerechnet die Bürgermeister Peter Traub, Herbert Witzany und Dr. Gunter Bühler, die sich ansonsten entschieden gegen jede Einmischung in die Planungshoheit der Gemeinden verbitten, wollen den „Aalenern“ vorschreiben, wo das zweite Parkhaus des Ostalbklinikums stehen soll.
Mit seiner flapsigen Bemerkung, „die Stadt Aalen würde den Baumbestand im Rohrwang verdammt hoch hängen“, deutet Herr Witzany an, dass ihn das Thema Natur- und Landschaftsschutz sehr wenig interessiert. Ich jedenfalls finde es verantwortungsvoll und gut, dass wenigstens die Stadt Aalen und ihr Gemeinderat neben dem Wohl der Bürger auch den Flächenverbrauch und den Natur- und Umweltschutz in ihren Planungen und Entscheidungen berücksichtigen.
Der von den Bürgermeistern geforderte Alternativstandort zu den vorhandenen Planungen ist aus folgenden Gründen die schlechtere Lösung:
Sie erfordert einen irreversiblen Eingriff in einen geschützten Waldbestand.
Im Zusammenwirken mit den angrenzenden Waldsäumen und dem Offenland ist in dem Bereich eine hohe biologische Vielfalt entstanden. Gerade für die Genesung der Patienten ist es förderlich, wenn sie einem Eichhörnchen zusehen können, wie es seine Nahrungsvorräte anlegt, oder in der Abenddämmerung dem Gesang der Singdrossel lauschen können.
Der westliche Eingangsbereich ist für Patienten und Besucher eine sichere Aufenthalts- und Ruhezone. Hinzu kommt noch die Zufahrt zur ambulanten Erstaufnahme, die unbehindert bleiben muss. Der zusätzliche Verkehr zum neuen Parkhaus würde die Ruhezone stören und die Patienten letztlich verdrängen.
Bei fünf Kliniken, die ich in den vergangenen Monaten besucht habe, waren nirgends die Parkmöglichkeiten so nahe und sicher wie am Ostalbklinikum.
Lieber Gemeinderat von Aalen, Ihr seid der Souverän dieser Stadt, der darüber bestimmt, was hier in Aalen gebaut und wie gestaltet wird, auch wenn es um ein Kreisobjekt geht und das Grundstück dem Kreis gehört. Nehmt Eure Rolle ernst und lasst Euch nicht von der Provinz hineinreden.
Reinhard Bretzger,
NABU-Kreisvorsitzender
© Gmünder Tagespost 11.12.2015 21:41
1255 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.