Fortschrittlich?

Zu: Georg Brunnhuber und seine Meinung zu den „Stuttgart 21“-Gegnern
Es ist gewiss sehr löblich, dass sich Herr Brunnhuber eine Befriedung mit den Gegnern des geplanten Tiefbahnhofs und eine Einbindung der Skeptiker in die Diskussion wünscht. Kaum jemand wird ihm aber abnehmen, dass es eine ergebnisoffene Diskussion wäre. Denn auf der Seite der S21-Befürworter steht eine millionenschwere Werbekampagne. Für etwas, das wir kaufen sollen? Dafür sind wir Werbung gewohnt und wissen ihre Übertreibungen einzuschätzen. Hier aber ist schon etwas aus unseren Steuergeldern gekauft und entschieden, das wir schlucken sollen und jetzt wird uns eingeredet, es würde hervorragend schmecken. Warten wir es ab, wie die auszulöffelnde Suppe wirklich mundet! Wir sollten dabei ebenso vorsichtig sein wie bei schönen Fotos der Reisekataloge: Die Wirklichkeit sieht oft anders aus.
Herr Brunnhuber meint, die Montags-Demonstranten seien immer nur gegen etwas. Er hört wohl gar nicht zu, wenn die Demonstranten für einen gut ausgebauten und leistungsfähigen Kopfbahnhof plädieren – mit Begeisterung und Ausdauer. Er müsste sich auch nur bei anderen Großstadt-Bahnhöfen umsehen, um hervorragende Kopfbahnhöfe zu finden. Beispiel Leipzig: Eine Stadt mit weniger Einwohnern als Stuttgart, keine Landeshauptstadt, ein Bahnhof etwa aus der gleichen Bauzeit. Aber mit 23 Gleisen und einer großzügigen Tageslichthalle. Selbst neben den Übergangstreppen sind die Bahnsteige beidseitig noch 3,5 Meter breit, im geplanten S21-Tiefbahnhof nur 1,2 Meter. Das Gebäude ist gut renoviert und birgt eine attraktive und gut besuchte „Promenade“. Damit verglichen, wirkt S21 wie ein provinzielles „Bahnhöfle“, auch in puncto Leistungsfähigkeit. Wer ist wirklich fortschrittlich? Es ist wie bei einer Mathematik-Aufgabe: Wer am ehesten den falschen Ansatz erkennt und am frühesten umkehrt, der ist wirklich fortschrittlich. Wer hat den Mut, in diesem Sinn fortschrittlich zu sein? Hoffentlich wird die auszulöffelnde Suppe nicht zu bitter! Stehen dann die heute Verantwortlichen noch dafür ein?
Binia Wippenbeck, Aalen
© Gmünder Tagespost 16.12.2015 18:21
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Kommentare

Frieder Kohler

Die "Suppe" wird nicht nur zu bitter, längst is sie auch versalzen! Die Köche der Politik sind bekannt und ihr "Strippenzieher" trägt den Namen Brunnhuber! Heute las ich in der FAZ "„Vielleicht haben wir bisher zu sehr in Zuständigkeiten gedacht - und nicht in Verantwortlichkeiten“, sagte Grube am Donnerstag in Berlin im Beisein seiner Vorstandskollegen" (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsche-bahn-rechnet-2015-mit-hohem-verlust-13970967.html) Wenn die köchelnde Brühe zur "klaren" wird, werden einige Verantwortliche  längst in der Grube sein und der Steuerzahler wie gewohnt (HH / Berlin) zur Kasse gebeten.