Hier schreibt der ADFC Aalen

Der ADFC-Fahrradklima-Test 2018: Wann kommt in Aalen die Trendwende?

  • Fahrradklimatest-Ergebnisse für Aalen seit 2012

Beim Fahrradklima-Test des ADFC landete Aalen mit der Note 4,1 erneut im hinteren Bereich der Städte seiner Größe. 308 Aalener Radfahrer*innen haben an der bundesweiten Befragung teilgenommen, deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Obwohl die Stadt begonnen hat, mehr für den Radverkehr zu machen, ist die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer*innen unzufrieden mit der Situation in Aalen. Sie vermissen den Komfort, die Sicherheit und die Durchgängigkeit der Radwege.

Die Verantwortlichen der Stadt haben bereits erkannt, dass sie für den Radverkehr mehr machen müssen. Nur reichen ihre vielen Einzelmaßnahmen und ihr in Arbeit befindliches Radverkehrskonzept den Radfahrer*innen nicht. Deshalb hat sich das Fahrradklima, also die Zufriedenheit der Radfahrenden in Aalen weiter verschlechtert, auf die Note 4,1. Damit liegt Aalen erneut unter dem Durchschnitt der vergleichbaren Städte, bundesweit auf Platz 76 von 106 und landesweit auf Platz 12 von 14. Aalen liegt nun nicht nur hinter Heidenheim, sondern auch hinter Schwäbisch Gmünd. Kein gutes Ranking für eine Einkaufsstadt. Drei Viertel der Befragten gaben sogar an, dass man Kinder nur mit ungutem Gefühl allein mit dem Rad fahren lassen kann.

Das ist kein gutes Ergebnis für eine Stadt, die zur Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg gehört, einem Zusammenschluss von über 70 Kommunen, die sich das Ziel gesetzt haben, den Fahrradverkehr im Land systematisch zu fördern und eine neue Radkultur zu etablieren.

Die Stadt wäre schon einen großen Schritt weiter, wenn sie unsere Hinweise zum Fahrradklimatest 2016 aufgegriffen hätte
ADFC-Sprecher Dr. Reiner Garreis: Wenn die Stadt den seitherigen negativen Trend umkehren will, sollte sie das Ergebnis des Fahrradklimatestes 2018 als Auftrag sehen, ab sofort handeln und die Durchgängigkeit, die Sicherheit und den Komfort der Radwege verbessern.“

Im städtischen Focus sollte stehen, die von den Aalener Radfahrer*innen besonders schlecht benoteten Themen schnell anzugehen und für Verbesserungen zu sorgen: Familienfreundlichkeit, Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer, Breite und Oberfläche der (Rad)Wege, Hindernisse auf Radwegen, Fahren auf Radwegen und Radstreifen, Konflikte mit Kfz, Radwegführung an Kreisverkehren, Sicherheit und Sicherheitsgefühl, Fahren im Mischverkehr mit Kfz, Winterdienst auf Radwegen, Führung an Baustellen, Öffnung von Einbahnstraßen, Fahrradmitnahme im ÖV und Ampelschaltung für Radfahrer.

Wir verstehen, dass die Stadt bei Radverkehrsmaßnahmen aus Platzgründen auch mal Notlösungen umsetzt, wie Schutzstreifen oder kombinierte Fuß-/Radwege. Wir verstehen aber nicht, dass in Aalen solche Ausführungen fast schon zur Regellösung werden. Wenn bei neuen Bauvorhaben große Projekte realisiert werden, sollten offensive Verbesserungen für den Radverkehr die Regel sein.

Garreis: „Aalen sollte endlich umdenken, sich dem Rad als Verkehrsmittel mehr öffnen, die Radinfrastruktur verbessern und sicherer machen, dem Radverkehr mehr Raum auf der Straße geben. Nur so werden die 60% der Bevölkerung erreicht, die sich vorstellen könnten, das Fahrrad häufiger zu nutzen, wenn das Fahren sicherer wäre.“

Es geht um lebenswerte Städte und um die Verkehrswende
Garreis: „In einer für Radfahrer leicht und sicher erreichbaren Innenstadt sind Radfahrer ein echter Einkaufsfaktor. Radverkehr vermindert die stadtnahe Stellplatznot, Stellplätze auf Kosten des Radverkehrs erhöht sie.“

Die Stadt könnte bei der anstehenden Entwicklung der Wilhelm-Merz-Straße zeigen, wie sie sich Fahrradfreundlichkeit zukünftig vorstellt. Mit der Neubebauung des angrenzenden Union-Areals hat sie die Möglichkeit, Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Platz für Fahrräder, E-Bikes und E-Tretroller (E-Scooter) zu schaffen. Schließlich ist die Straße im Verkehrsentwicklungsplan als Umweltachse für den Bus-, Rad- und Fußgängerverkehr ausgewiesen.

Der Wandel des Weltklimas erfordert ein konsequentes Umdenken
Der Klimawandel erfordert ein konsequentes Umdenken, beim Individualverkehr und in vielen anderen Bereichen unseres Lebens. Im Verkehrsbereich kann zum Beispiel die stärkere Nutzung des Fahrrades ein Teil der Lösung sein. Denn Radfahren kann mehr als 30 % des innerörtlichen Autoverkehrs ersetzen. Wenn mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen, ist das gut für alle. Mehr Radverkehr bedeutet weniger Stau, weniger Abgase, weniger Lärm. Es ist daher an der Zeit, dem Fahrrad seinen Raum auf der Straße zu geben, den Radverkehr voranzubringen und damit die Städte zu entlasten.

#MehrPlatzFürsRad
Mit der bundesweiten Kampagne #MehrPlatzFürsRad macht der ADFC in diesem Jahr auf die Platzdebatte im Straßenverkehr aufmerksam und fordert gute, breite Radwege, sichere Kreuzungen und viel mehr Fahrradparkplätze.

Weiteres zum Fahrradklima-Tests 2018 und Hinweise zur Arbeit des ADFC Aalen können unter www.adfc-bw.de/Aalen/ eingesehen werden.

 

© Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Aalen 27.04.2019 11:38
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