Ukraine-Flüchtlinge in der Region

Geflüchtete Kinder aus der Ukraine dürfen nicht in Stuttgarter Kitas - „Die Wartelisten gelten“

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Für die geflüchteten Kinder aus der Ukraine soll es in Stuttgart erstmal nur alternative Betreuungsangebote geben (Symbolbild).
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In vielen Bereichen stößt man in Stuttgart durch die hohe Zahl der Ukraine-Flüchtlinge an Kapazitätsgrenzen. Kitas wollen deshalb nicht einfach ihre Türen öffnen.

Stuttgart - „Wir sind am Anschlag und darüber hinaus“, sagt Stuttgarts Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) über die Situation der Betreuungsmöglichkeiten für geflüchtete ukrainische Kinder. Ähnliche Aussagen hörte man in der Landeshauptstadt Stuttgart seit Beginn des Ukraine-Kriegs immer wieder: Die Kapazitätsgrenzen sind in vielen Bereichen erreicht.

Stuttgart erlebe einen Zustrom „in nie gekanntem Ausmaß“ (BW24* berichtete) - mit solchen Auswirkungen auf die Region habe wohl kaum jemand gerechnet. Die Stadt sucht händeringend nach neuen Unterkunftsmöglichkeiten* in der Region, Tafelläden haben leere Regale und auch die Schulen in Baden-Württemberg* arbeiten am Limit. Nun wird für die ohnehin überfüllten Kitas im Land eine Konsequenz gezogen.

Alternative Betreuungsangebote statt Kitas in Stuttgart für Ukraine-Kinder

Bürgermeisterin Fezer stellt klar, dass die Kinder aus der Ukraine vorerst nicht direkt in den Kitas betreut werden. „Wir öffnen jetzt nicht einfach unsere Kitas. Wir haben das auch mittelfristig nicht vor. Wir sagen: die Wartelisten gelten“, so Fezer. Man versuche dennoch eine Alternative bereitzustellen und den Kindern Spiel- und Betreuungsangebote zu machen. So könne man ihnen nach der Flucht ein kindgerechtes Leben ermöglichen und die Mütter entlasten, erklärt die Bürgermeisterin.

Der Personalmangel in den Kitas stellt die Branche ohnehin gerade vor große Probleme* und es muss nach neuen Lösungen gesucht werden. Die knapp über tausend Kinder und Jugendliche, die aus der Ukraine in der Region angekommen sind, machen diese Situation nicht leichter - vor allem, weil es noch weitaus mehr sein könnten. Denn „eine eindeutige Zuordnung zu Unterkünften ist nicht möglich“, so Isabel Fezer. Es gäbe immer wieder große Veränderungen.

Unterstützung durch freie Träger bei der Betreuung von Ukraine-Kindern

Zum Mangel an Fachkräften kommt hinzu, dass durch das Coronavirus in Baden-Württemberg viel Personal ausfalle. Unterstützung beanspruche man bei der Betreuung der Ukraine-Kinder deshalb nun auch von freien Trägern wie Jugendhäusern, Jugendfarmen und Aktivspielplätzen, wie Bürgermeisterin Fezer erklärt. Es gebe darüber hinaus Überlegungen, wie man die Betreuungsangebote mit Sprachkursen für die Eltern koppeln könne. Oliver Herweg vom Jugendamt erläutert außerdem, man versuche mit Spielstuben und Spieltreffs die Lücke zwischen ehrenamtlicher Betreuung und Kita zu füllen.

Ein Konzept sei dennoch nicht vorhanden. Zurzeit werden Schulkinder teilweise online aus der Ukraine beschult oder gehen in Stuttgart zur Schule. Bürgermeisterin Fezer gibt aber zu, dass man nicht wisse, wie viele das seien. Stadtrat Vittorio Lazaridis (Grüne) verwies indessen darauf, dass alle Bundesländer den Schwerpunkt in der Integration und den ukrainischen Onlineunterricht nur als Ergänzung sähen.

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