Experten fordern

„Müssen Gesellschaft krisenfester machen“ – Corona schwächt Zusammenhalt in BW

Die Corona-Krise hat den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Baden-Württemberg geschwächt. Das belegt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Die Stimmung bei vielen ist angespannt. Seit 2020 wird die Gesellschaft auf eine Probe nach der anderen gestellt. Zwischen Isolation, Hamsterkäufen und Geldsorgen fällt es denkbar schwer, einen starken Zusammenhalt zu empfinden. Doch während eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung eine generelle Verschlechterung des Zusammenhalts in Baden-Württemberg zeigt, bietet sie auch eine Gelegenheit, aus der Krise zu lernen, wie HEIDELBERG24 berichtet.

Zusammenhalt in Baden-Württemberg: Corona vertieft Kluften

Mit Unterstützung durch das baden-württembergische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration legt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung offen, wie es um das Miteinander der Menschen in Baden-Württemberg seit 2019 bestellt ist. Das besorgniserregende Ergebnis: Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist deutlich zurückgegangen. Wen bei solchen Aussichten der Herbstblues packt, der kann sich zumindest mit ein paar Tricks die Stimmung aufhellen.

Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen die Spuren, die das Coronavirus in drei Jahren Pandemie auch in Baden-Württemberg hinterlassen haben. Im Jahr 2019 sind laut Stiftung nur 9 Prozent der Befragten der Meinung, man könne sich auf niemanden mehr verlassen. 2023 teilt diese Meinung schon fast jeder Vierte.

Zusammenhalt in Baden-Württemberg: Einige Gruppen spüren die Entwicklung deutlicher

Laut Bertelsmann-Experte Kai Unzicker ist diese Entwicklung bemerkenswert, denn in vergangenen Untersuchungen bis 2019 wächst der Zusammenhalt tendenziell. Die Corona-Krise führe seitdem jedoch zu einer Schwächung der zwischenmenschlichen Beziehungen und einem Rückgang der Offenheit für Vielfalt. Auch die Identifikation mit dem Gemeinwesen, dem Wohnort und dem Bundesland haben nachgelassen.

Gerade weniger Privilegierte nehmen den Zusammenhalt als deutlich schwächer als der Durchschnitt wahr. Dazu gehören Frauen, Menschen, die in Armut leben oder weniger gebildet sind, Alleinerziehende, chronisch Kranke, Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch Menschen der Altersgruppe der 45- bis 65-Jährigen. Grundsätzlich blicken junge Menschen laut Studie optimistischer in die Zukunft als ältere.

Baden-Württemberg nach Corona: Zusammenhalt und Vertrauen wieder aufbauen

Die Studie zeige laut Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha die Schwächen der Gesellschaft in Baden-Württemberg auf. Er sieht hier jedoch auch eine Chance, aus der Krise zu lernen: „Für mich sind die Zahlen und Hinweise der Studie der Bertelsmann Stiftung Ansporn.“ So geben die Ergebnisse auch Rückschlüsse darauf, was zu tun sei, um die Gesellschaft krisenfester zu machen.

Für ihn ist klar, dass verschiedene Bereiche gestärkt werden müssen. Dazu gehören allen voran benachteiligte Bevölkerungsgruppen, jedoch auch das Ehrenamt und die medizinische Versorgung, gerade auf dem Land. Die Stiftung selbst empfiehlt den Abbau von Benachteiligungen für Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund sowie mehr Dialogformate und Begegnungsorte, um das Vertrauen wieder aufzubauen. (paw)

Rubriklistenbild: © dpa/Marijan Murat

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