Abschlussbericht aus Tübingen

Tübinger Modell startet wieder - Palmer empfiehlt Strategie für ganz Baden-Württemberg

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Im Abschlussbericht empfahl Oberbürgermeister Boris Palmer das Tübinger Modell für Lockerungen in ganz Baden-Württemberg.
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Das Tübinger Modell soll als Blaupause für Lockerungen in Baden-Württemberg herangezogen werden. Das empfahlen OB Boris Palmer und Notärztin Lisa Federle im Abschlussbericht. Das Modell selbst geht in Tübingen bald ebenfalls weiter.

Tübingen - Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) gehen allmählich zurück und nach und nach rücken Lockerungen in greifbare Nähe. Unter strengen Auflagen soll auch die Gastronomie in Baden-Württemberg wieder öffnen* und es gibt auch Öffnungsperspektiven für kulturelle Veranstaltungen wie Theater und Co.*. In der Universitätsstadt Tübingen wurde ab dem 16. März ein Testmodell durchgeführt. Mit einem umfangreichen Testkonzept konnte der Einzelhandel, Kinos und zu Beginn auch die Außengastronomie wieder öffnen. Nach einem starken Besucherandrang in der Stadt wurde das Projekt wenig später auf die Einwohner der Region Tübingen begrenzt.

Trotz der zwischenzeitlich starken Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg* konnte sich das Modellprojekt in Tübingen lange halten. Am 24. April wurde das Tübinger Modell jedoch gestoppt*. Grund dafür waren die steigenden Zahlen im Landkreis und die beschlossene Bundesnotbremse.

In dem Abschlussbericht zum ersten Modellprojekt in Tübingen, empfahlen Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) und Notärztin Lisa Federle, die Mitinitiatoren des Projektes nun, das Modell für Lockerungen in ganz Baden-Württemberg zu nutzen, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Das Projekt soll zudem in Tübingen am Freitag, dem 14. Mai, in die zweite Runde gehen.

Lockerungen in Baden-Württemberg: Tübinger Modell als Vorbild für den gesamten Südwesten?

Aufgrund der Bundesnotbremse und der steigenden Infektionszahlen wurde das Modellprojekt in Tübingen vor kurzem gestoppt. Die Initiatoren sind mit dem Ergebnis jedoch zufrieden. „Im Ergebnis kann empfohlen werden, die anstehenden Öffnungen im Abklingen der dritten Welle nach dem in Tübingen erprobten Modell durchzuführen“, schrieben Boris Palmer und Lisa Federle gemeinsam mit Peter Kremsner und Peter Martus vom Universitätsklinikum Tübingen in ihrem Abschlussbericht an das baden-württembergische Sozialministerium, wie die dpa berichtet. Die Öffnungen hätten nicht zu einem erhöhten Infektionsgeschehen in der Stadt geführt, die zwischenzeitlich hohen Inzidenzzahlen seien auf einen Corona-Ausbruch in der Tübinger Landeserstaufnahmestelle zurückzuführen.

Im Rahmen des Tübinger Modellprojektes wurden im Projektzeitraum rund 165.000 Tests auf eine Infektion mit dem Coronavirus in der Stadt und noch mal so viele in Betrieben, Schulen und Kitas durchgeführt. Um die Freiheiten genießen zu können, mussten die Besucher und später die Einwohner des Landkreises einen negativen Test vorweisen. Zu diesem Zweck wurden insgesamt neun Testzentren in der Innenstadt errichtet. Laut der dpa ergaben die Testungen Kosten von insgesamt 3,5 Millionen Euro, von denen der Bund 2,5 Millionen Euro übernahm. Die Kosten seien volkswirtschaftlich gut vertretbar, heißt es in dem Abschlussbericht zum ersten Modellprojekt in der Universitätsstadt.

Modellprojekt in Tübingen wird trotz negativer Stimmen am Freitag fortgesetzt - mit Luca App

Das Modellprojekt in Tübingen wurde insgesamt gut aufgenommen. Durch den hohen Besucherandrang in den ersten Tagen des Projektzeitraumes wurden jedoch kritische Stimmen laut, die eine erhöhte Infektionsgefahr mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg befürchteten. Der Kontrolleffekt durch die vielen Tests kompensiere das zusätzliche Risiko durch mehr Kontakte in Handel, Gastronomie und Kultur jedoch, heißt es in dem Bericht der Initiatoren. Obwohl das Tübinger Modell mehrmals kurz vor dem Abbruch stand* und es zwischenzeitlich von kritischen Stimmen hieß: „Testen statt Lockdown ist Wunschdenken“, geht der Modellversuch in Tübingen ab kommendem Freitag in eine zweite Phase.

Inzwischen liegt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern in Tübingen seit mehreren Tagen unter dem Wert von 100. Deshalb soll das Modellprojekt am Freitag nach einer dreiwöchigen Pause fortgesetzt werden, hieß es am Mittwoch aus dem Rathaus der Universitätsstadt.

Die Teststationen sollen demnach ihre Arbeit ab Freitag wieder aufnehmen und zusätzlich werden auch neue Standorte aufgebaut, berichtet die dpa. Zugleich würden einige Teststationen in der Stadt jedoch auch abgebaut werden, da die Nachfrage an diesen Standorten zu gering gewesen sei. Bei der zweiten Auflage des Tübinger Modells soll die umstrittene Luca App eine tragende Rolle spielen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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