Brasilien fordert Herausgabe

Wertvolles Fossil: Naturkundemuseum Karlsruhe bekommt Hassnachrichten - „moralisch falsch“

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Der Streit um das Saurier-Fossil im Naturkundemuseum führte auf der Facebook-Seite des Museums zu einem Shitstorm.
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Brasilien fordert die Herausgabe eines Saurier-Fossils vom Naturkundemuseum in Karlsruhe, doch dieses lehnt ab. Auf Facebook entbrannte daraufhin ein regelrechter Shitstorm.

Karlsruhe - Ein 110 Millionen Jahre altes Dinosaurier-Fossil ist am Naturkundemuseum in Karlsruhe aktuell Gegenstand eines „Saurier-Gates“. Das Naturkundemuseum soll das Fossil an Brasilien ausgeben*. Die Paläontologische Gesellschaft in Brasilien geht davon aus, dass das Fossil illegal außer Landes geschafft worden sei und forderte deshalb die Herausgabe. „Wir werden nicht aufhören, für unser Natur- und Kulturerbe zu kämpfen“, hieß es aus dem südamerikanischen Land.

Das Kunstministerium von Baden-Württemberg* teilte mit, man habe die versteinerten Überreste des Sauriers Ubirajara rechtmäßig erworben, berichtete die Deutsche Presseagentur (dpa). Deshalb wies das Ministerium die Rückgabeforderung ab. Innerhalb weniger Stunden erhielt das Naturkundemuseum laut eigener Aussage unzählige Hasskommentare, die die Herausgabe des Fossils forderten. Das Museum stellte daraufhin die Besitzansprüche klar, doch das tat der Debatte keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Unter dem Facebook-Post sammelten sich bereits über 800 Kommentare.

Naturkundemuseum Karlsruhe: Statement über Saurier-Fossil führt zu Shitstorm

Das Saurier-Fossil, das in den vergangenen Tagen zum Streitobjekt wurde, war in einem Steinbruch zwischen den Gemeinden Nova Olinda und Santana do Cariri in der Crato-Formation im Bundesstaat Ceará im Nordosten von Brasilien gefunden worden. Deshalb sehen viele das südamerikanische Land als rechtmäßigen Besitzer. Das Fossil kam jedoch 1995 nach Deutschland. „Das Fossil des brasilianischen Sauriers Ubirajara ist Eigentum des Landes Baden-Württemberg“, stellt das Naturkundemuseum Karlsruhe auf Facebook klar. „Am Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe wird es für die Nachwelt bewahrt und steht der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft für Forschungszwecke zur Verfügung.“

Dieses Statement führte im Netz allerdings nicht zu einer Beruhigung der Lage. Im Gegenteil, einige Nutzer sahen den Post als besonders respektlos an. „Dieses Statement zeigt die Respektlosigkeit gegenüber unserem Volk sehr deutlich“, schrieb eine Nutzerin auf Englisch. Andere Nutzer sehen einen Zwist zwischen dem Gesetz und der Moral. „Das Fossil zu behalten ist wohl nach deutschem Gesetz legal“, schrieb einer ebenfalls auf Englisch. „Aber es ist auch moralisch falsch und inakzeptabel.“

Streit um Saurier-Fossil: Kommentare lenken Debatte in eine andere Richtung

Bei der Debatte um das Saurier-Fossil im Naturkundemuseum in Karlsruhe geht es nur zum Teil um Besitzansprüche. „Was für eine Schande für eine solche Institution an nachweislich gestohlenem Eigentum festzuhalten“, schrieb ein User auf Facebook. „Und dann zu sagen ‚Finders Keepers‘ (entspricht ungefähr dem deutschen Sprichwort: Wer es findet, darf es behalten, Anm. d. Red.), ihr solltet euch schämen.“ Vielen anderen Nutzern geht es bei der Debatte jedoch nicht nur um die Herausgabe des Fossils. „Keine Nation sollte ihr Vermächtnis dadurch aufbauen, das Vermächtnis anderer Nationen zu stehlen“, kommentierte einer.

In den sozialen Medien kursiert der Hashtag #UbirajaraBelongsToBR, das Naturkundemuseum Karlsruhe entschloss sich jedoch, nach der Flut an Hassnachrichten Teile davon zu löschen. „Wir bitten um Verständnis, dass wir Kommentare zu Ubirajara unter allen anderen Beiträgen, die nichts mit dieser Thematik zu tun haben, löschen werden“, schrieb das Museum.

Manche Nutzer sahen darin jedoch erst recht eine Zensur, wie Kommentare zeigen, die sich mitunter weit vom eigentlichen Thema entfernen. „Wissenschaftliche Kolonialisierung hat im 21. Jahrhundert nichts verloren“, schrieb eine Nutzerin. „Museen sollten menschliche Institutionen sein und das (die nicht-Herausgabe des Fossils, Anm. d. Red.) und uns den Mund zu verbieten ist das definitiv nicht.“ *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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