Kirche

Neue Landesbischöfin: Thema Missbrauch „trifft uns ins Mark“

+
Heike Springhart, neu gewählte Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden, aufgenommen während eines Interviews.

Die Debatte um sexualisierte Gewalt in der Kirche zeigt nach den Worten der neuen evangelischen Landesbischöfin in Baden, Heike Springhart, die Schwierigkeit von zwischenmenschlicher Vergebung auf. „Es gibt Situationen, da ist es Betroffenen von sexualisierter Gewalt nicht möglich, den Tätern zu vergeben“, sagte Springhart der Deutschen Presse-Agentur in Karlsruhe vor ihrem Amtsantritt.

Karlsruhe - Es passiere zudem nicht oft, dass ein Täter seine Schuld eingestehe und Reue zeige. Mit Blick auf die kirchliche Rede von Vergebung im Gottesdienst, in Predigten und in der allgemeinen Frömmigkeit müsse man sich immer wieder die Frage stellen: „Wie hören das Menschen, die zu Opfern geworden sind?“

Zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen wollen die evangelischen Landeskirchen in Baden, Württemberg, Bayern und der Pfalz in diesem Jahr eine gemeinsame Aufarbeitungskommission einsetzen. Ähnliche Einrichtungen sind im Westen, Norden und Osten der Republik geplant. Die Kommissionen sollen Missbrauchsfälle aufarbeiten, in Streitfällen als entscheidende Instanz dienen, aber auch präventiv wirken. In Baden sind nach früheren Angaben schon 92 Fälle sexualisierter Gewalt aus Diakonie und Landeskirche bekanntgeworden.

In der evangelischen Kirche sei das Thema anders gelagert als in der katholischen, sagte Springhart. Die Opfer seien oft älter, nicht nur Kinder und Jugendliche. „Es geht auch um Abhängigkeitsverhältnisse unter Erwachsenen.“ Nichtsdestotrotz habe das Thema „eine Dimension, die zeigt: Das trifft uns ins Mark“. Für die Kirche sei der Umgang damit ein großes Vertrauensthema, wichtig seien saubere Verfahren, offene Ohren und die Bereitschaft, Verfehlungen offen anzusprechen.

„Wenn ich die Thematik sexualisierte Gewalt ernst nehme und die Betroffenen ernst nehme, müssen wir das Denken und Reden ändern“, sagte Springhart. Bislang sei der kirchliche Ansatz häufig zu stark an der Rechtfertigungslehre orientiert und der impliziten Folgerung, dass ein guter Christenmensch vergibt. Der Skandal sei aber, dass „am Leib Christi ein Glied einem anderen Glied etwas angetan hat“. dpa

Zurück zur Übersicht: Baden-Württemberg

Mehr zum Thema

Kommentare