„Managementplan Luchs“

Raubkatze erobert Baden-Württemberg zurück: Land will mehr Luchse ansiedeln

+
Das Forstministerium in Baden-Württemberg will mehr Luchse im Südwesten.
  • schließen

Mit dem „Managementplan Luchs“ will das baden-württembergische Forstministerium den Luchsbestand im Südwesten erhöhen. Noch gibt sich das Ministerium allerdings bedeckt.

Stuttgart - Luchse waren bis ins späte Mittelalter in ganz Mitteleuropa verbreitet. Heimisch waren die Tiere auch in Baden-Württemberg*, verschwanden später im Südwesten aber gänzlich von der Bildfläche. Mittlerweile kehren ausgerottete Tierarten wie der Luchs aber wieder nach Baden-Württemberg* (BW24* berichtete) zurück. Erst seit wenigen Jahren werden die scheuen Tiere hierzulande wieder gesichtet. Ende vergangenen Jahres wurde der vierte Luchs registriert, der sich im Ländle niedergelassen hat.

Immer wieder trieb es in den vergangenen Jahrzehnten Luchse auch über die Schweizer Grenze nach Baden-Württemberg. Sie blieben allerdings nie lange. Das baden-württembergische Forstministerium vermutet, dass das an den fehlenden weiblichen Tieren lag. Denn die, die bisher registriert wurden, waren alle männlich.

Luchse: Der Bestand soll mit Hilfe der Auswilderung von Weibchen gesichert werden

Forstminister Peter Hauk will daran nun etwas ändern. Damit die männlichen Luchse, genannt Kuder, nicht wieder davonziehen, soll die Population der Weibchen erhöht werden. Das berichtet die Stuttgarter Zeitung, die aus dem Koalitionsprogramm der grün-schwarzen Regierung zitiert: „Wir werden in enger Zusammenarbeit mit allen betroffenen Akteuren die Chancen für die Rückkehr des Luchses durch ein Programm zur Bestandsstützung verbessern“, heißt es.

Viel mehr ist aus dem Forstministerium derzeit dazu nicht zu hören. „Aktuell wird der Managementplan Luchs erstellt, welcher auch die Szenarien einer Bestandsstützung einschließt“, sagt ein Pressesprecher lediglich. Dabei handelt es sich wohl um die Auswilderung von weiblichen Tieren. Angesiedelt werden sollen sie dort, wo die Kuder gesichtet wurden: Also im Donautal, im Schwarzwald und wohl bei Konstanz, wo zuletzt auch ein Luchsweibchen nachgewiesen wurde*. Unsicher ist allerdings, ob dieses Tier im Südwesten sesshaft ist oder nur auf der Durchreise war.

Die Idee des baden-württembergischen Forstministeriums stößt nicht nur auf Gegenliebe

Die Idee des Ministeriums stößt durchaus auf Kritik. Vor allem Landwirte, Waldbesitzer und Schafhalter leisten Widerstand gegen die Auswilderung des Luchses. Laut Anette Wohlfahrt, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes, seien alle Schutzmaßnahmen, die die Schäfer gegen den Wolf träfen, beim Luchs wirkungslos. „Unser Verband ist nicht glücklich und befürwortet ein Auswilderungsprojekt nicht“, sagt sie zur Stuttgarter Zeitung.

Der Nabu in Baden-Württemberg dagegen begrüßt das Projekt. Auch der Landesjägerverband ist nicht ablehnend eingestellt, wenngleich noch Fragen offen seien - wie etwa, welchen Einfluss ein größerer Luchsbestand auf den Bestand des Auerwilds im Schwarzwald haben werde. „Aber wir werden vermutlich keine Fundamentalopposition betreiben“, sagt Hauptgeschäftsführer des Jägerverbands, Erhard Jauch, zur Stuttgarter Zeitung.

Nicht nur der Luchs ist nach vielen Jahren wieder im Südwesten heimisch geworden. Auch andere, hierzulande als ausgestorben geltende Tiere werden mittlerweile wieder gesichtet: Nach 155 Jahren ist Anfang dieses Jahres der erste Wolf wieder im Odenwald* ansässig geworden. Mittlerweile hat sich das Raubtier bundesweit aber so sehr vermehrt, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium ein „regionales Bestandsmanagement“ einführen will. Heißt: Ministerin Julia Klöckner will mehr Wölfe abschießen lassen*, um deren Population wieder zu reduzieren. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Zurück zur Übersicht: Baden-Württemberg

WEITERE ARTIKEL

Kommentare